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Stromerzeugung in Deutschland – Erneuerbare Energien verändern das System

01.07.2017 – In Deutschland wird europaweit der meiste Strom erzeugt. Aufgrund der zentralen geographischen Lage in Europa ist Deutschland zudem eine Drehschreibe für Stromflüsse in einem vernetzten europäischen Stromsystem. Doch wie wird der Strom derzeit in Deutschland erzeugt? Auskunft über aktuelle Zahlen geben die Daten der heute veröffentlichen Webseite SMARD.

Erneuerbare Energien prägen das System.

Erneuerbare Energien prägen das System. Mittlerweile beträgt die Einspeisung im burchschnitt mehr als 30 Prozent - in Spitzenzeiten können sogar mehr als 80 Prozent des Strombedarfs von erneuerbaren Energien gedeckt werden.
© istock.com/Alan Hill

Die Stromerzeugung in Deutschland basiert aktuell auf einem breiten Mix unterschiedlicher Energieträger. Seit Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000 haben sich die Anteile der einzelnen Energieträger deutlich verändert: Mittlerweile stammt mehr als ein Drittel unseres Stroms aus Wind, Sonne, Wasser oder Biomasse. Erneuerbare Energien sind bereits heute unsere wichtigste Stromquelle. Konventionelle Erzeugungsanlagen decken die verbleibende Last, um den gesamten Strombedarf jederzeit bedienen zu können. Der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien – bis zum Jahr 2050 soll ihr Anteil am Stromverbrauch mindestens 80 Prozent betragen – ist ein zentraler Pfeiler der Energiewende. In unserem zukünftigen Stromsystem werden dann nicht mehr regelbare Kraftwerke der Stromnachfrage folgen, sondern flexible Erzeuger, flexible Verbraucher und Speicher auf das fluktuierende Angebot von Wind und Sonne reagieren.

Die Daten auf SMARD veranschaulichen das Fortschreiten der Energiewende. Sie zeigen die Menge an erzeugtem Strom und die Zusammensetzung aufgeteilt nach den wichtigsten Energieträgern ab 2015. Der Strommix lässt sich für jede Stunde oder auch regional spezifiziert auf einer Karte anschauen.

Zu Spitzenzeiten beträgt der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Stromverbrauch bereits heute mehr als 80 Prozent. So zum Beispiel am 7. Juni dieses Jahres. An diesem Tag deckten erneuerbare Energien zeitweise mehr als 82 Prozent des gesamten Strombedarfs in Deutschland. Aber auch ihr durchschnittlicher Anteil am Strommix steigt kontinuierlich: Im Mai 2017 betrug er 38,6 Prozent an der Stromerzeugung. Den größten Anteil hatten mit 14,2 und 12,8 Prozent Wind- und Sonnenenergie. Diese Zahlen zeigen: Unsere Energieversorgung befindet sich auf dem Weg hin zu einer weitestgehend CO2-freien Erzeugung.

Die Grafik zeigt den Anteil der Erneuerbaren am 7. Juni 2017. In der Zeit von 14:00 bis 15:00 Uhr betrug der Erneuerbaren-Anteil mehr als 82 Prozent.

Wind, Sonne, Wasser, Biomasse – Erneuerbare auf dem Vormarsch

Windenergie spielt eine tragende Rolle beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Sie hat mittlerweile einen Anteil von mehr als 12 Prozent an der deutschen Stromerzeugung. Etwa 28.000 Windkraftanlagen erzeugten 2016 in Deutschland circa 77 Milliarden Kilowattstunden Strom. Deutschland hat 2016 mit knapp 50.000 Megawatt die höchste installierte Windleistung Europas und ist auch bei den Neuinstallationen europaweit Spitzenreiter. Der Schwerpunkt der Windenergie liegt dabei im windreichen Norden, an den Küsten und vermehrt auch in den Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee. Bei Wind an Land sind Schleswig-Holstein und Niedersachsen die Bundesländer mit den höchsten Kapazitäten, gefolgt von Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Eine Übersicht der räumlichen Verteilung der Erzeugungsanlagen in Deutschland bietet der SMARD-Bereich Deutschland im Überblick.

Neben Windenergie erfuhr auch der Ausbau von Solarstromanlagen in Deutschland einen beachtlichen Aufschwung. Spielte Photovoltaik mit Beginn der Förderung durch das EEG im Strommix praktisch keine Rolle, so hat die Solarstromerzeugung seit 2005 kräftig zugelegt. Aufgrund von technologischen Entwicklungen und Kostensenkungen gehören neue Solaranlagen heute zu den günstigsten Erneuerbare-Energien-Technologien. 2016 produzierten Solarstromanlagen knapp sechs Prozent des gesamten Stroms in Deutschland. Die installierte Erzeugungsleistung ist mit mehr als 41.000 Megawatt die zweithöchste nach der Windenergie. Solaranlagen produzieren dann am meisten Strom, wenn die Sonne am höchsten steht und am intensivsten scheint – also mittags bei wolkenfreiem Himmel. Da dann auch der Verbrauch steigt, leisten Photovoltaikanlagen einen wichtigen Beitrag zur Deckung dieser Mittagsspitze. Produziert wird Solarstrom unter anderem wegen der höheren Einstrahlung vor allem in Süddeutschland: In Bayern steht jede vierte Solarstromanlage Deutschlands.

Biomasse leistet ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. Ihre energetischen Nutzungsmöglichkeiten sind vielfältig und reichen vom Einsatz als Treibstoff im Verkehr, über die Erzeugung von Wärme in Haushalten und der Industrie bis hin zur Stromerzeugung. Der Anteil der Biomasse an der Bruttostromerzeugung ist in den vergangenen Jahren gewachsen. 2016 betrug er sieben Prozent bei einer installierten Leistung von mehr als 7.000 Megawatt. Hintergrund ist die hohe Auslastung der Stromerzeugungsanlagen, die auf speicherbare Energieträger zurückgreifen. Die Stromerzeugung aus Biomasse ist damit vor Photovoltaik mit sechs Prozent die zweitgrößte der erneuerbaren Energien. Da die nutzbaren Potenziale der Biomasse begrenzt und ihre Erschließung oft mit hohen Kosten verbunden ist, soll sie künftig gezielt dort eingesetzt werden, wo sie für das Energiesystem den größten Nutzen bringt. Für die Stromerzeugung soll Biomasse aus Abfall- und Reststoffen und im Wesentlichen ergänzend flexibel eingesetzt werden, so dass ihr Anteil künftig nicht weiter steigen wird.

Historische Entwicklung der erneuerbaren Energien

Die Entwicklung der erneuerbaren Energien zeigt, dass ihre Relevanz an der Erzeugung steigt. Von 1990 bis 2016 gab es eine nahezu verzehnfachung der Erzeugung.
Datenquelle: BMWi auf Basis AGEE-Stat

Konventionelle Energieträger

Konventionelle Energien spielen nach wie vor eine wichtige Rolle im Strommix. Sie erzeugen heute noch zwei Drittel des Stroms hierzulande. Im Zuge der Energiewende wird der Einsatz fossiler Brennstoffe im Kraftwerkspark deutlich zurückgehen, da Strom zunehmend aus erneuerbaren Energien produziert wird.

Den größten Anteil bei den konventionellen Energieträgern haben Stein- und Braunkohle. Rund 40 Prozent des Stroms wurde 2016 aus Kohle gewonnen. Während in Braunkohlekraftwerken seit 15 Jahren etwa auf gleichbleibendem Niveau zwischen 23 und 26 Prozent der deutschen Bruttostromerzeugung produziert werden, nimmt die Bedeutung der Steinkohle bei der Stromerzeugung seit 2000 im Trend ab. Ihr Anteil am deutschen Strommix beträgt heute noch 17 Prozent. Im künftigen Strommix wird die Rolle der Kohle und insbesondere auch der Braunkohle nicht zuletzt wegen ihrer hohen Treibhausgasemissionen zunehmend kleiner.

Erdgas ist der fossile Energieträger mit den geringsten CO2-Emissionen. Daher übernimmt er eine Brückenfunktion auf dem Weg zu einem nachhaltigen Strommix. Gerade in Spitzenzeiten helfen Gaskraftwerke, die Stromversorgung sicherzustellen. Mit einer Erzeugungskapazität von 28.000 Megawatt trugen sie 2016 gut 12 Prozent zur Stromerzeugung bei.

Deutschland hat mit der Energiewende den Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung beschlossen. Entsprechend fiel ihr Anteil von knapp 30 Prozent im Jahr 2000 auf gut 13 Prozent sechzehn Jahre später. Derzeit sind noch acht Kernkraftwerke mit einer Leistung von 11.000 Megawatt in Betrieb. Bis 2022 sollen auch diese schrittweise abgeschaltet werden.

Zukunft der Stromerzeugung – Informationen auf SMARD

Der stetige Ausbau der Erneuerbaren, der beschlossene Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie und die weiter voranschreitende Reduzierung der CO2-Emmissionen werden die Zusammensetzung des Strommixes weiterhin nachhaltig verändern. Die Bundesregierung hat das Ziel, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2025 auf 40 bis 45 Prozent des Stromverbrauchs zu steigern. 2035 sollen es 55 bis 60 Prozent sein.

Mit den Novellen des EEG 2014 und 2017 sowie dem neuen Energiewirtschaftsgesetz (Strommarktgesetz) hat der Gesetzgeber wichtige Reformen beschlossen, die auf mehr Wettbewerb, die Synchronisation von Netz- und Erneuerbaren-Ausbau sowie mehr Kosteneffizienz abzielen. Durch das EEG 2014 wurde ein verbindlicher Ausbaukorridor für die erneuerbaren Energien festgelegt, die Förderung auf die kostengünstigen Technologien Wind an Land und Sonnenenergie fokussiert und die verpflichtende Direktvermarktung eingeführt. Außerdem wurde die Umstellung des Fördersystems auf wettbewerbliche Ausschreibungen vorbereitet. Seit Anfang 2017 wird die Förderhöhe für erneuerbaren Strom in Auktionen wettbewerblich am Markt ermittelt und nicht mehr staatlich vorgegeben. Der Zubau kann über die ausgeschriebenen Mengen zudem besser gesteuert werden. Mit dem Strommarktgesetz wurden die Voraussetzungen für den Strommarkt 2.0 gelegt, der wachsende Anteile erneuerbarer Energien integrieren und für einen Wettbewerb von flexibler Erzeugung, flexibler Nachfrage und Speichern sorgen soll. Der optimierte Strommarkt 2.0 stellt sicher, dass die Stromversorgung in Deutschland auch bei weiter zunehmenden Mengen an Wind- und Sonnenstrom kostengünstig und verlässlich bleibt.

Auf SMARD wird künftig regelmäßig über aktuelle Entwicklungen des Strommix berichtet. So lässt sich der weitere Umbau unseres Stromversorgungssystems hin zu einem überwiegenden Anteil erneuerbarer Energien anschaulich verfolgen. Nutzer erhalten zudem jederzeit im Bereich Marktdaten visualisieren Informationen zum Strommarkt und damit auch zum Strommix in Deutschland. So kann jeder Nutzer Grafiken nach seinen Bedürfnissen erstellen, speichern und teilen. SMARD bietet sowohl Daten zur installierten Erzeugungsleistung, als auch zur realisierten und prognostizierten Stromerzeugung sowie dem Stromverbrauch. Stets aktuell, übersichtlich aufbereitet und bedarfsgerecht zusammenstellbar.