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Die heutige Sonnenfinsternis auf SMARD
Am heutigen Abend kommt es in Deutschland zu einer partiellen Sonnenfinsternis. Diese hat auch Auswirkungen auf den Strommarkt, die auf SMARD sichtbar sind.
In weiten Teilen Deutschlands ist am frühen Abend des 12. August ein Naturschauspiel zu beobachten: Der Mond schiebt sich zwischen Erde und Sonne und verdunkelt das Sonnenlicht. In Deutschland ist dies ab etwa 19 Uhr zu beobachten, der Höhepunkt wird gegen kurz nach 20 Uhr erreicht.
Deutschland liegt außerhalb des sogenannten Kernschattens, es ist daher lediglich keine totale, sondern nur eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen. Dennoch wird eine hohe Bedeckung von bis zu 89 Prozent der Sonne erreicht. Zwar sind aufgrund der langfristigen Planbarkeit keine Versorgungsengpässe zu erwarten, im Stromhandel hat dies jedoch Auswirkungen für Deutschland und den gesamten europäischen Binnenmarkt. Diese sind auf SMARD deutlich sichtbar.
Während des Maximums der Sonnenfinsternis steigen die Großhandelspreise am Day-Ahead-Markt auf bis zu 461 Euro/MWh. Das ist auf den ersten Blick ein außergewöhnlich hoher Preis, angesichts der Umstände aber zu erwarten und eine zeitlich äußerst begrenzte Entwicklung. Unmittelbar nach dem Ereignis sinken die Großhandelspreise wieder auf das vorherige Niveau.
In den Abendstunden steigt der Großhandelsstrompreis besonders im Sommer gegenüber den Mittagsstunden deutlich an, da mit Sonnenuntergang die Einspeisung von Strom durch PV-Anlagen nachlässt. Die Stromnachfrage steigt abends jedoch üblicherweise leicht an, da viele Menschen kochen und das Licht, den Fernseher oder andere Haushaltsgeräte einschalten.
Durch die Sonnenfinsternis fällt die prognostizierte PV-Einspeisung in der Viertelstunde von 20.00 bis 20.15 Uhr bereits auf etwa 200 MWh, während sie an den Vortagen in diesem Zeitraum noch bei mehr als dem Doppelten lag. Die prognostizierte Netzlast ist hingegen auf demselben Niveau.
Es steht also weniger Strom aus Solarenergie zur Verfügung, dieser muss anderweitig erzeugt werden um die Netzlast zu decken. Durch Windkraftanlagen wird für den genannten Zeitraum eine Erzeugung von etwa 1.460 MWh prognostiziert, ebenfalls weniger als die knapp 2.000 MWh im selben Zeitraum des Vortages.
In anderen Ländern des europäischen Strombinnenmarkts steht während der Sonnenfinsternis naturgemäß ebenfalls weniger Solarstrom zur Verfügung. Es muss also europaweit mehr Strom aus anderen Energiequellen eingespeist werden. Es ist daher naheliegend, dass mehr konventionelle Energieträger zum Einsatz kommen als üblich. Diese haben höhere Grenzkosten als PV- und Windkraftwerke, weshalb der Großhandelsstrompreis am gesamten Binnenmarkt steigt. In Ländern wie Dänemark, Belgien, den Niederlanden und Tschechien ist der Day-Ahead-Preis für den Zeitraum der Sonnenfinsternis auf demselben Niveau wie in Deutschland.
Mit bis zu 461 Euro/MWh ist der Großhandelspreis in der Spitze jedoch auf einem außergewöhnlich hohen Wert, was sich alleine mit dem etwas früheren Rückgang der PV-Einspeisung nicht erklären lässt.
Ein weiterer wichtiger Grund für diese Entwicklung sind die anhaltend hohen Temperaturen und die niedrigen Pegelstände vieler europäischer Flüsse. In mehreren Ländern kann ein Teil der konventionellen Kraftwerke aktuell nicht unter Volllast fahren, da nicht genügend Kühlwasser zur Verfügung steht. Dadurch sind die Großhandelspreise derzeit generell höher als üblich, da häufiger teurere Kraftwerke in der Merit-Order preissetzend sind. Die Sonnenfinsternis verstärkt diesen Effekt kurzzeitig noch.
Den hohen Großhandelspreisen während der Hitzewelle im Juni lagen ähnliche Entwicklungen zugrunde, die wir in unserem kürzlich erschienen Quartalsartikel erörtert haben.
Sonnenfinsternisse sind jedoch langfristig vorhersehbare, zeitlich klar begrenzte Ereignisse. Mit Ende der Sonnenfinsternis kehrt der Day-Ahead-Preis wieder auf das vorherige Niveau zurück, langfristige Auswirkungen sind keinesfalls zu erwarten. Die deutschen und europäischen Netzbetreiber stehen in engem Austausch und haben sich langfristig vorbereiten können. Die Versorgungssicherheit ist daher jederzeit gewährleistet.
Wie sich Stromerzeugung und -Verbrauch während der Sonnenfinsternis tatsächlich entwickelt haben, wird bereits kurz danach auf SMARD sichtbar sein.