Hinweis: Diese Webseite ist für die von Ihnen genutzte Browser-Version nicht optimiert.

Strommarkt im Wandel - So funktioniert der Strommarkt 2.0

01.07.2017 –  Der deutsche Strommarkt befindet sich im stetigen Wandel. Bis zum Ende der 1990er Jahre von Gebietsmonopolisten geprägt, ist er heute mit den Märkten der Nachbarstaaten eng verknüpft. Auch die Erzeugung ändert sich stark: Deutschland steigt bis 2022 aus der Kernenergie aus. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung steigt – aktuell beträgt er bereits rund 30 Prozent des Verbrauchs. Er wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Zukünftig werden Sonne und Wind, die saisonal und im Tagesverlauf unterschiedlich stark einspeisen, das Stromsystem prägen. Flexibilität ist die Antwort auf diesen Trend: Flexible Erzeuger, flexible Verbraucher und Speicher prägen den Strommarkt zukünftig. Dazu setzt die Bundesregierung mit dem Strommarkt 2.0 auf ein Marktdesign, das eine sichere, kostengünstige und umweltverträgliche Versorgung mit Strom auch bei hohen Anteilen erneuerbarer Energien gewährleisten kann.

Strommarkt im Wandel

Der Gesetzgeber hat beschlossen, den Strommarkt zum Strommarkt 2.0 weiterzuentwickeln. Was ist der Strommarkt 2.0? Im Kern geht es darum, einen fairen Wettbewerb von flexiblen Verbrauchern, flexiblen Erzeugern und Speichern (so genannte Flexibilitätsoptionen) zu ermöglichen und die Stromversorger in die Pflicht zu nehmen, immer ausreichend Strom für ihre Kunden einzukaufen. Drei Gründe sprechen für den Strommarkt 2.0: Der Strommarkt 2.0 gewährleistet erstens Versorgungssicherheit, ist zweitens kostengünstiger und ermöglicht drittens Innovationen und Nachhaltigkeit.

Strommarkt 2.0: Strommarkt fit für die Energiewende machen

Der Strommarkt 2.0 basiert auf dem bestehenden Markt, entwickelt und stärkt die marktlichen Ansätze jedoch konsequent weiter. Mit dem Strommarktgesetz wurde 2016 ein verlässlicher Rechtsrahmen geschaffen, auf den Investoren vertrauen können und durch den die Versorgungssicherheit für Stromkunden unverändert hoch bleibt.

Wichtig beim Strommarkt 2.0 sind vor allem zwei Mechanismen: Erstens müssen sich die Strompreise am Strommarkt weiterhin frei bilden können und zweitens werden die Stromlieferanten konsequent dazu verpflichtet, ihre Lieferverpflichtungen zu erfüllen. Dies stärkt das bestehende marktliche System und setzt die richtigen Anreize für alle Akteure. Der Markt kann so aus sich heraus die benötigten Kapazitäten wie Kraftwerke und Speicher oder Flexibilitätsoptionen auf der Nachfrageseite bereitstellen. Investoren sind nicht auf weitere administrativ vorgegebene Zahlungen (so genannte Kapazitätsmärkte) angewiesen. Kapazitätsmärkte sind zudem extrem komplex. Sie stellen einen tiefen Eingriff in den Markt dar. Kapazitätsmärkte können – so zeigen verschiedene Gutachten – zu deutlich höheren Kosten führen und sind zudem anfällig für Fehler in der Ausgestaltung.

Der Strommarkt 2.0 kann die notwendigen Kapazitäten und die zur Integration der erneuerbaren Energien erforderlichen Lösungen kostengünstiger bereitstellen. Gerade für die Integration der fluktuierenden erneuerbaren Energien sind Flexibilitätsoptionen zentral: Dem Strommarkt stehen aus technischer Sicht ausreichend Flexibilitätsoptionen wie Speicher oder flexible Verbraucher zur Verfügung, um Erzeugung und Verbrauch jederzeit auszugleichen.

Da das Potential an Flexibilitätsoptionen so vielfältig ist und weit größer als der tatsächliche Bedarf und die Technologien zudem ständig weiterentwickelt werden, ist es nicht nötig, einzelne Technologien gezielt zu fördern. Aus ökonomischer Sicht sollten sich die kostengünstigen Lösungen in einem technologieoffenen Wettbewerb ergeben. Ein Schlüssel hierzu sind freie und möglichst unverzerrte Preise, denn sie helfen, die besten und günstigsten Flexibilitätsoptionen anzureizen, um sie am Strommarkt einzusetzen.

Aktuell erreicht das Preissignal des Strommarkts aufgrund verschiedener Hemmnisse im Energiemarktdesign jedoch einige Stromerzeuger und -verbraucher teilweise verzerrt; z. B. innerhalb des Stromsektors durch die Struktur der festen Bestandteile der Strompreise und an der Schnittstelle zum Wärme- und Verkehrssektor.

Diese Flexibilitätshemmnisse müssen überprüft und adressiert werden, damit das Marktpreissignal gestärkt wird. Daran arbeitet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) kontinuierlich weiter.

Europäischer Strombinnenmarkt senkt Kosten und stärkt Versorgungssicherheit

Mit dem Strommarkt 2.0 bekennt sich das BMWi ausdrücklich zum liberalisierten, europäischen Strombinnenmarkt. Seit der Liberalisierung der Strommärkte Ende der 1990er Jahre sorgt ein verstärkter Wettbewerb für eine kostengünstigere Stromerzeugung und niedrigere Großhandelspreise. In den vergangenen Jahren wurde begonnen, die regionalen und nationalen Strommärkte in Europa schrittweise zusammenzuführen und stärker zu integrieren. Nationale Strommärkte profitieren von der Möglichkeit des grenzüberschreitenden Stromhandels, indem Unterschiede beim Verbrauch und der Erzeugung besser ausgeglichen werden können: Beispielsweise weht der Wind in Europa nicht immer überall gleich, so dass andere Anlagen dies ausgleichen können. Auch treten Nachfragespitzen nicht immer gleichzeitig in Europa auf. Durch diesen überregionalen Ausgleich im Binnenmarkt müssen weniger Kapazitäten vorgehalten werden. Auch sinkt die Wahrscheinlichkeit für ungeplante Stromausfälle weiter, weil Angebot und Nachfrage in einem größeren Markt besser zusammenkommen können und der Ausfall einzelner Leitungen leichter ausgeglichen werden kann. Das bedeutet: Die Versorgungssicherheit wird gestärkt und die Stromerzeugungskosten in Europa sinken.

Die für den Handel zur Verfügung stehende Übertragungskapazität und Netzinfrastruktur zwischen den Mitgliedstaaten der EU ist zwar begrenzt, wird aber weiter ausgebaut, um die Vorteile des europäischen Stromhandels zu erschließen. Aufgrund der Begrenzung wird das Nutzungsrecht der Übertragungskapazitäten an den Grenzen versteigert oder aber im Zuge der Marktkopplung, dem sogenannten Market Coupling, eingesetzt. Beim Market Coupling werden die Strommärkte der Länder automatisiert miteinander verknüpft. Die Strombörsen errechnen in einem koordinierten Verfahren, wie die Übertragungskapazitäten optimal genutzt werden können. Die Folge: Eine zunehmende Preisangleichung in den europäischen Ländern.

Die Schaffung eines Energiebinnenmarktes ist eines der zentralen Elemente der Energieunion. Die Energieunion strebt danach, den europäischen Binnenmarkt für Strom und Gas in Europa weiterzuentwickeln und klimafreundliche Energieversorgung langfristig sicher, emissionsarm und kostengünstig zu machen. Das setzt die Nutzungsmöglichkeit der Übertragungskapazitäten zwischen den einzelnen Ländern für einen grenzüberschreitenden Stromhandel und insbesondere die Marktkopplung voraus.

Die Grafik zeigt die Ex- und Importe Deutschlands. Der Trend bleibt erhalten: Deutschland ist auf dem Strommarkt Netto-Exporteur. Die Entwicklung der Handelsvolumina hängt allerdings nicht allein von den Gegebenheiten des deutschen Marktes ab. Sie ist vielmehr auch von Veränderungen von Angebot und Nachfrage in den jeweiligen Nachbarstaaten abhängig.

Liberalisierter Strommarkt integriert erneuerbare Energien effizient

Bereits einige Jahre vor der Liberalisierung entschieden die europäischen Regierungen, die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu fördern. Erste gesetzliche Regelungen gab es bereits zu Beginn der 1990er Jahre. Enormen Auftrieb erhielt die Stromerzeugung aus Wind, Sonne und Biomasse in Deutschland im Jahr 2000 mit dem „Erneuerbare Energien Gesetz“ (EEG). Seitdem stieg der Anteil der Stromerzeugung aus diesen Quellen kontinuierlich und hatte in Deutschland im Jahr 2016 einen Anteil von rund 30 Prozent an der Bruttostromerzeugung. Die erneuerbaren Energien sind damit bereits heute die wichtigste Stromquelle in der deutschen Stromwirtschaft.

Die Liberalisierung des Strommarktes unterstützt die Integration der erneuerbaren Energien. Noch vor einigen Jahren erhielten die Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen eine festgelegte Einspeisevergütung je produzierter Kilowattstunde Strom. Seit 2012 nimmt der Anteil der Anlagenbetreiber, die ihren Strom selbstständig am Großhandelsmarkt verkaufen, kontinuierlich zu. Der Grund: Das EEG 2012 verstärkte den Anreiz, die Anlagen marktorientiert zu betreiben. In einigen Fällen übernehmen das als Dienstleister sogenannte Direktvermarkter. Zusätzlich zu den Einnahmen aus dem Verkauf erhalten die Anlagenbetreiber eine gesetzlich festgelegte Marktprämie. Seit Mitte 2014 ist diese Vermarktung für neue größere Anlagen mit einer Leistung von mindestens 100 Kilowatt verpflichtend. Das verbessert die Integration der erneuerbaren Energien in das bestehende Energiesystem. Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen und Direktvermarkter haben nun einen größeren Anreiz, die erzeugten Mengen im Vorfeld genau vorherzusagen. Zudem verbesserte sich die Prognosegenauigkeit in den vergangenen Jahren. Insbesondere der sogenannte Intraday-Handel an der Börse, bei dem die Handelsgeschäfte bis sehr kurz vor dem Lieferzeitpunkt abgeschlossen werden, bietet die Möglichkeit, auf Prognoseänderungen kurzfristig zu reagieren und Differenzen auszugleichen.

Neben der Integration der erneuerbaren Energien in den Strommarkt ist der Netzausbau ein weiteres wichtiges Element für die erfolgreiche Integration der erneuerbaren Energien in das Energiesystem und den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie. Den Stromnetzen kommt im Rahmen der Energiewende eine tragende Rolle zu: Nicht nur die Energieträger der Stromerzeugung ändern sich, sondern auch die geografische Verteilung der Anlagen. So sind viele Erneuerbare-Energien-Anlagen dezentral in dünn besiedelten Gebieten installiert. Den dort produzierten Strom gilt es, in die Lastzentren zu transportieren. Dazu sind neue Stromleitungen notwendig.

Der Weg zum wettbewerblichen Strommarkt: Monopole abgeschafft, Wettbewerb ermöglicht

Der deutsche Strommarkt war bis zum Ende der 1990er Jahre von Gebietsmonopolisten geprägt. Haushaltskunden konnten Strom nur von dem jeweiligen regionalen oder kommunalen Versorger beziehen. Die Versorger wiederum erzeugten den Strom selbst oder kauften ihn von den Verbundunternehmen, in dessen Gebiet sie angesiedelt waren. Aber sie waren immer der einzige verfügbare Anbieter für die Haushalte. Entscheidende Hemmnisse bei der Öffnung des Strommarktes waren, dass Netzbetrieb und Erzeugung in der Hand des regionalen Anbieters lagen und dieser so möglichen Konkurrenten den Netz- und Marktzugang verwehren konnte sowie der hohe Kapitalbedarf von Infrastrukturinvestitionen.

Zentrale Reformen leiteten 1998 die Liberalisierung des deutschen und europäischen Strommarkts ein. Die Unternehmensbereiche Erzeugung von Strom, Netzbetrieb und Vertrieb des Stroms an Kunden mussten entflochten werden, also am Markt unabhängig voneinander agieren. Haushaltskunden können seitdem ihren Stromanbieter frei wählen, Stromanbieter ihre Leistungen überregional anbieten. Die rechtliche Grundlage dazu ist das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG). Der Zweck: Eine sichere, preisgünstige, verbraucherfreundliche, effiziente und umweltverträgliche Stromversorgung, die zunehmend auf erneuerbaren Energien beruht.

Zunehmender Handel zeigt sich auch bei den Stromexporten. Vor allem in den Jahren von 2011 bis 2015 stieg der Netto-Export Deutschlands. Die Zunahme des Exports geht mit sinkenden Preisen an deutschen Strombörsen einher. Die blauen Balken stellen die Exporte, die roten die Importe dar. Das Saldo wird durch die grüne Linie angezeigt.

Im Zuge dieser Liberalisierung hat auch der Stromhandel an Börsen und anderen Handelsplattformen stark zugenommen. Als Folge traten eine ganze Reihe neuer Anbieter auf den Markt. Allein in Deutschland handeln heute mehr als 4.000 Unternehmen an den Börsen mit sogenannten Energiegroßhandelsprodukten. Dies ist ein Vorteil für die Verbraucher und Wirtschaft, weil viel Wettbewerb hilft, die Preise zu senken und Innovationen zu entwickeln.

Auf SMARD können die Nutzer das aktuelle Geschehen am Strommarkt live beobachten. Im Bereich „Marktdaten visualisieren“ können Daten wie Erzeugung, Verbrauch, Im- und Export und Daten zu Regelenergie für unterschiedliche Zeiträume ermittelt und kombiniert werden. Im Bereich „Deutschland im Überblick“ gibt eine Deutschlandkarte und eine Kraftwerksliste einen Überblick über aktuelle Kennzahlen zum Strommarkt sowie detaillierte Informationen zu Erzeugungsanlagen in Deutschland.

Artikel, in denen aktuelle Entwicklungen, Ereignisse und Trends rund um den Strommarkt und den grenzüberschreitenden Energiehandel erläutert werden, erscheinen regelmäßig im Bereich „Strommarkt aktuell“.