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Stromerzeugung und Stromhandel im Juni 2021

08.07.2021 - Mit 7,1 TWh war die Einspeisung durch Photovoltaikanlagen im Juni so hoch wie noch nie. Der Stromverbrauch lag um 8,0 Prozent über dem Vorjahresmonat. Im kommerziellen Außenhandel kam es deshalb zu einem Nettoimport.

In diesem Juni betrug der Stromverbrauch (die Netzlast) insgesamt 39,3 TWh und lag damit 8,0 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats. Ähnlich wie im Mai, näherte er sich damit wieder den Werten vor Beginn der Corona-Pandemie an.

Auch die gesamte Stromerzeugung war im Vergleich höher: Mit 38,6 TWh um rund 9,0 Prozent. Die Erzeugung aus erneuerbaren Energien war trotz hoher PV-Einspeisung insgesamt um 2,1 Prozent geringer und die aus konventionellen Energieträgern um 19,1 Prozent höher.

Höchste PV-Einspeisung innerhalb eines Monats

Die Einspeisewerte der Photovoltaikanlagen erreichten in diesem Monat einen neuen Höchstwert. Mit 7,1 TWh waren sie so hoch wie in keinem Monat seit mindestens 2015. Photovoltaik machte im Verlauf des Monats einen Anteil von 18,5 Prozent an der Gesamterzeugung aus.

Die Einspeisung durch Windkraftanlagen war hingegen wegen ruhigerer Windverhältnisse geringer als im Vorjahr. Die durch Wind-Onshore-Anlagen um 31,7 Prozent und diejenige durch Wind-Offshore-Anlagen um 27,6 Prozent.

Am Samstag, den 12. Juni kam es zwischen 14.00 und 15.00 Uhr zur höchsten Einspeisung erneuerbarer Energien mit 56,7 GWh, die in dieser Stunde den Strombedarf komplett decken konnten. Dabei leisteten Windkraftanlagen mit 28,4 GWh den größten Beitrag. Weitere 21,3 GWh wurden durch Photovoltaikanlagen und 4,8 GWh durch Biomasse eingespeist. Die restlichen 2,2 GWh wurden durch Wasserkraft und sonstige Erneuerbare erzeugt.
Auch in der Tagesbetrachtung kam es am 12. Juni zur höchsten Einspeisung Erneuerbarer. Insgesamt konnte der Strombedarf von 13.15 Uhr bis 18.00 Uhr komplett durch die Erneuerbaren gedeckt werden.

Jener Anteil des Strombedarfs, der nicht durch die Erzeugung mittels Windkraft- und Photovoltaikanlagen gedeckt werden kann, wird mit der Residuallast beziffert. Je geringer dieser Wert ist, desto höher der Anteil der beiden Energieträger am Strombedarf. An dem oben genannten Tag erreichte sie den Tiefstwert dieses Monats. Zwischen 15.15 und 15.30 Uhr betrug sie nur 162 MWh und war damit die geringste seit mindestens 2015.

Bei einer sehr hohen Einspeisung erneuerbarer Energien wie am 12. Juni, kann Strom genutzt werden, um Pumpspeicher zu befüllen. Der Strombezug von Pumpspeichern ist als ein Baustein des Stromverbrauchs neu auf SMARD verfügbar. Im Zeitraum von 13.15 Uhr bis 18.00 Uhr betrug der Strombezug von Pumpspeichern 17,2 GWh. (Zu sehen in der zweiten Grafik der obigen Galerie.) Bei hohen Strompreisen oder beim Abruf von Regelreserve wird die gespeicherte Energie durch Ablassen des Wassers in ein Talbecken wieder zur Stromproduktion genutzt.

Die Großhandelsstrompreise

In diesem Monat betrug der deutsche durchschnittliche Großhandelsstrompreis 74,08 Euro/MWh und war damit beinahe drei Mal so hoch wie im Vorjahr (26,18 Euro/MWh). Diese Entwicklung hatte sich bereits im April und Mai diesen Jahres gezeigt.

Ähnlich wie in den Vormonaten liegt der höhere Preis unter anderem in dem um 8,0 Prozent höheren Stromverbrauch begründet. Auch die sogenannten relativen Erzeugungskosten spielen eine Rolle. Sie beziffern unter anderem die Kosten für Brennstoffe oder auch CO2-Zertifikate, die wiederum von weiteren Faktoren abhängig sind. Diese waren in diesem Monat deutlich höher als im Vorjahr.

In diesem Juni lagen die Preise in 44 der 720 gehandelten Stunden über 100,00 Euro/MWh, was den Mittelwert erhöhte. Im Vorjahresmonat hatte es zu keiner Zeit Preise oberhalb dieser Schwelle gegeben. Entsprechend lagen auch die Maximalwerte auseinander. Lag der höchste Preis im Juni 2020 bei 60,75 Euro/MWh, so war er in diesem Juni mit 139,72 Euro/MWh mehr als doppelt so hoch. Die Zahl der negativen Großhandelsstrompreise lag mit acht im Vorjahr und neun in diesem Jahr hingegen nah beieinander.

Großhandelspreise in Deutschland

Juni 2021

Juni 2020

Durchschnitt [Euro/MWh]

74,08

26,18

Minimum [Euro/MWh]

-36,72

-48,17

Maximum [Euro/MWh]

139,72

60,75

Anzahl Stunden negativer Preise

9

8

Zahl der Stunden mit
Preisen >100 Euro/MWh

44

0

Der oben genannte höchste Börsenpreis trat am Mittwoch, den 23. Juni zwischen 19.00 und 20.00 Uhr auf. In diesem Zeitraum traf ein Stromverbrauch in Höhe von 59,7 GWh auf eine geringe Erzeugung aus erneuerbaren Energien (13,6 GWh) und die hohe Residuallast bedingte eine hohe Einspeisung aus konventionellen Energieträgern (41,4 GWh).

Zum geringsten Preis kam es am Sonntag, den 13. Juni zwischen 14.00 und 15.00 Uhr mit
-36,72 Euro/MWh. Die Erzeugung aus erneuerbaren Energien betrug in dieser Stunde 48,7 GWh und lag damit über dem Stromverbrauch (der Netzlast) in Höhe von 46,5 GWh.

Der kommerzielle Außenhandel

Im kommerziellen Außenhandel importierte Deutschland in diesem Monat 875,6 GWh mehr Strom als es exportierte und war damit wie bereits im Mai Nettoimporteur. Im Juni 2020 hatte der Nettoimport 232,9 GWh betragen. Der höhere Import liegt unter anderem in dem höheren Strombedarf und dem geringen Ertrag aus Windenergie-Anlagen begründet.

Abnehmerländer des Stroms aus Deutschland waren in diesem Monat:

  • Österreich mit 450,9 GWh (+359,9% zum Vorjahresmonat)
  • Luxemburg mit 309,8 GWh (+2,6% zum Vorjahresmonat)
  • Niederlande mit 289,4 GWh (+1.815,2% zum Vorjahresmonat)
  • Tschechien mit 105,0 GWh (+138,7% zum Vorjahresmonat)


Nettoimporteur war Deutschland gegenüber:

  • Schweiz mit 553,4 GWh (-42,8% zum Vorjahresmonat)
  • Norwegen mit 470,0 GWh (Handel war im Vorjahresmonat noch nicht möglich)
  • Dänemark mit 428,7 GWh (Im Vorjahresmonat noch Nettoexport)
  • Frankreich mit 426,9 GWh (+17,0% zum Vorjahresmonat)
  • Belgien mit 71,6 GWh (Handel war im Vorjahresmonat noch nicht möglich)
  • Schweden mit 55,6 GWh (-54,2% zum Vorjahresmonat)
  • Polen mit 24,2 GWh (Im Vorjahresmonat noch Nettoexport)


Die Grafik stellt den kommerziellen Stromhandel Deutschlands im Juni dar. (Brutto-) Exporte werden oberhalb, (Brutto-)Importe unterhalb der Null-Linie dargestellt.


Zu welchem Zeitpunkt Strom im- oder exportiert wird, hängt nicht nur von Angebot und Nachfrage im jeweiligen Land, sondern auch von den Strompreisen der anderen Länder ab. Angebot und Nachfrage bilden ein gesamteuropäisches Zusammenspiel. Veränderungen der Im- und Exporte können auch das Ergebnis von Preisschwankungen sein und sind Teil des normalen Marktgeschehens. Strom wird im europäischen Verbund dort erzeugt, wo er am günstigsten ist. Beim Import profitiert der deutsche Markt somit von günstigeren Erzeugungsbedingungen im Ausland und umgekehrt.

Ein Grund für den höheren Nettoimport sind in diesem Monat die im Vergleich höheren deutschen Großhandelsstrompreise. Es war für Deutschland lohnend, Strom der Nachbarländer zu kaufen. Der durchschnittliche Preis der Anrainerstaaten lag mit insgesamt 72,54 Euro/MWh unter dem deutschen (74,08 Euro/MWh), jedoch wichen die Preisspannen einzelner Länder von der des deutschen Preises (-36,72 bis 139,72 Euro/MWh) ab. So bewegte sich der Großhandelsstrompreis in der Schweiz, mit deren Handel der Nettoimport am höchsten war, zwischen -50,02 und 119,66 Euro/MWh. Der norwegische Strom wurde hingegen zwischen 1,43 und 65,00 Euro/MWh gehandelt. Anders als in Deutschland kam es zwar nicht zu negativen Preisen, aber es wurde auch zu keinem Zeitpunkt die Schwelle von 100,00 Euro/MWh überschritten. Entsprechend gering war dort auch der Durchschnittspreis mit 54,05 Euro/MWh -dem geringsten Durchschnittspreis der Anrainerstaaten in diesem Monat. Das spiegelt sich auch im Nettoimport aus Norwegen in Höhe von 470,0 GWh wider.

Die geringen norwegischen Preise stehen im Zusammenhang mit dem hohen Anteil erneuerbarer Energien, insbesondere von Wasserkraft, an der dortigen Gesamterzeugung.

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