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Aktuelle Entwicklung
Einzelhandelsdaten Strom und Gas
27.10.2026 - Der deutsche Strom- und Gasmarkt zeichnet sich durch eine beachtliche Vielfalt und einen intensiven Wettbewerb aus. Davon profitieren vor allem die Endverbraucher: Für die zuverlässige Stromversorgung stehen bundesweit über 1.400 Elektrizitätslieferanten bereit. Im Durchschnitt kann jeder Haushaltskunde zwischen 143 verschiedenen Stromanbietern wählen – unabhängig davon, ob es sich um regionale Stadtwerke oder überregionale Energiekonzerne handelt. Ein ähnlich lebendiges Bild zeigt sich auf dem Gasmarkt. Hier haben Gasverbraucher durchschnittlich die Auswahl zwischen 110 verschiedenen Anbietern aus einer Gesamtanzahl von fast 1.100 Gaslieferanten.
Im Rahmen der Monitoring-Erhebung 2026 hat die Bundesnetzagentur bei allen in Deutschland tätigen Strom- und Gaslieferanten u.a. die Preise für Bestandskunden im Haushaltsbereich abgefragt. Die Erhebung bezieht sich auf den Stichtag 1. April 2026. Die ausgewiesenen Preise wurden mengengewichtet berechnet. Das bedeutet, dass Lieferanten mit größeren Abgabemengen entsprechend stärker in die Durchschnittsbildung einfließen. Dadurch wird ein repräsentatives Bild des durchschnittlichen Preisniveaus für Haushaltskunden erreicht.
Die Entwicklung der Strom- und Gaspreise kann sich auf die Lieferantenwechselhäufigkeit von Haushaltskunden auswirken. Für das erste Halbjahr 2026 liegen der Bundesnetzagentur Daten zu den Lieferantenwechseln von Haushaltskunden vor. Diese geben Aufschluss über die Wechselaktivität in diesem Zeitraum.
Strompreise zum Stichtag 01.04.2026 sind gesunken
Zum Stichtag 1. April 2026 lag der durchschnittliche Strompreis für Bestandskunden bei 37,96 ct/kWh. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Preis damit um rund fünf Prozent gesunken (1. April 2025: 40,05 ct/kWh). Wesentliche Gründe für diesen Rückgang sind insbesondere die niedrigeren Netzentgelte.
Die Netzentgelte als ein wesentlicher Bestandteil des Strompreises wurden im Rahmen der Monitoring-Erhebung bei den Verteilernetzbetreibern erhoben. Für Haushaltskunden mit einem Jahresverbrauch zwischen 2.500 und 5.000 kWh lagen die durchschnittlichen Netzentgelte im Jahr 2026 bei 9,17 ct/kWh. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von rund 14 Prozent (2025: 10,72 ct/kWh).
Maßgeblicher Grund hierfür ist der Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzkosten im Jahr 2026 in Höhe von 6,5 Mrd. Euro. Durch die Entlastung der Übertragungsnetzkosten sinken die vorgelagerten Netzkosten der Verteilernetzbetreiber, was sich in niedrigeren Netzentgelten für Haushaltskunden widerspiegelt.
Bei einem Strompreis von 37,96 ct/kWh und einem angenommenen Jahresverbrauch von 3.500 kWh ergeben sich jährliche Stromkosten von rund 1.329 Euro. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2025 bei 47.704 Euro. Die jährlichen Stromkosten eines Haushalts mit einem Verbrauch von 3.500 kWh entsprechen damit rund 2,8 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens.
Der Preis variiert je nach Vertragsart. Der durchschnittliche Strompreis für Haushaltskunden in der Grundversorgung lag zum Stichtag 1. April 2026 bei 41,23 ct/kWh. Bei einem Vertrag beim örtlichen Grundversorger außerhalb der Grundversorgung betrug der durchschnittliche Preis 37,62 ct/kWh. Für Verträge bei einem anderen Lieferanten als dem örtlichen Grundversorger lag der durchschnittliche Preis bei 36,85 ct/kWh.
Damit betrug der Preisunterschied zwischen der Grundversorgung und dem günstigsten der betrachteten Vertragstypen zum 1. April 2026 4,38 ct/kWh. Hätte der Haushaltskunde statt eines Grundversorgungsvertrags einen Vertrag bei einem wettbewerblichen Lieferanten abgeschlossen, hätte er bei einem angenommenen Jahresverbrauch von 3.500 kWh rechnerisch rund 153 Euro pro Jahr einsparen können.
Lieferantenwechselzahlen im ersten Halbjahr 2026 im Strombereich weiterhin auf hohem Niveau
Nach Angaben der Verteilernetzbetreiber haben im ersten Halbjahr 2026 rund 3,7 Millionen Haushaltskunden ihren Stromlieferanten gewechselt. Damit lag die Zahl der Lieferantenwechsel rund zwei Prozent unter dem Vorjahresniveau (1. Halbjahr 2025: 3,8 Millionen). Bei insgesamt 49.321.200 Haushaltskunden im Jahr 2025 entspricht dies einem Anteil von rund sieben Prozent der Haushaltskunden, die im ersten Halbjahr 2026 ihren Stromlieferanten gewechselt haben.
Neben den direkten Datenerhebungen bei den Marktakteuren berechnet die Bundesnetzagentur monatlich die Strom- und Gaspreise auch in eigenen Modellen. Grundlage hierfür sind die im Rahmen des jährlichen Monitorings erhobenen Angaben zur Beschaffungsstrategie der Strom- und Gaslieferanten sowie die aktuellen Großhandelspreise. Für das erste Halbjahr 2026 ergab diese Modellierung einen durchschnittlichen Strompreis für Neukunden von 35,39 ct/kWh. Im Vergleich zum durchschnittlichen Bestandskundenpreis zum Stichtag 1. April 2026 von 37,96 ct/kWh ergibt sich für die Haushalte, die im ersten Halbjahr 2026 ihren Stromlieferanten gewechselt haben, eine geschätzte jährliche Entlastung von rund 331 Millionen Euro (2,57 ct/kWh × 3.500 kWh × 3,7 Millionen Haushalte). Im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres lag die geschätzte Einsparung mit rund 454 Millionen Euro höher (3,46 ct/kWh × 3.500 kWh × 3,8 Millionen Haushalte). Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr ist hauptsächlich auf den geringeren Preisvorteil zwischen Neu- und Bestandskundenpreisen und in geringerem Maße auf die leicht rückläufige Anzahl an Lieferantenwechseln zurückzuführen.
Wie sich die Wechselaktivität im weiteren Jahresverlauf entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Seit April ist der modellierte Strompreis für Neukunden wieder deutlich gestiegen. Im September 2026 liegt er bei 38,62 ct/kWh und damit rund neun Prozent über dem durchschnittlichen Niveau vom ersten Halbjahr 2026. Maßgeblich hierfür waren insbesondere gestiegene Beschaffungskosten infolge anhaltender geopolitischer Unsicherheiten, unter anderem im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt.
Für Oktober ist mit einem weiteren Anstieg der Neukundenpreise zu rechnen. Darauf deuten sowohl die gestiegenen durchschnittlichen Day-Ahead-Preise als auch die höheren Notierungen der Terminmarktprodukte hin. Diese Entwicklung dürfte sich zeitverzögert in den Neukundenpreisen niederschlagen.
Der weitere Anstieg der Neukundenpreise könnte die Attraktivität eines Lieferantenwechsels dämpfen.
Gaspreise zum Stichtag 01.04.2026 stabilisieren sich, verharren aber auf einem hohen Niveau
Der durchschnittliche Gaspreis für Bestandskunden blieb im Jahresvergleich fast unverändert: Am 1. April 2026 lag er bei 12,16 ct/kWh, nach 12,13 ct/kWh im Vorjahr. Hinter dieser scheinbaren Stabilität verbergen sich jedoch gegensätzliche Trends bei den Preiskomponenten. Auf der einen Seite stiegen die Gasnetzentgelte im Schnitt um rund 13 Prozent, während die CO₂-Abgabe im Januar 2026 gemäß dem gesetzlich festgelegten Pfad um etwa 18 Prozent erhöht wurde. Auf der anderen Seite sanken die Beschaffungskosten für Gas um rund 10 Prozent. Da die Gasbeschaffung mehr als ein Drittel des Gesamtpreises ausmacht, konnte dieser Preisrückgang die Steigerungen bei den Netzentgelten und der CO₂-Abgabe abfedern.
Für einen Haushaltskunden mit einem typischen Jahresverbrauch von 20.000 kWh lagen die durchschnittlichen Netzentgelte im Jahr 2026 bei 2,41 ct/kWh. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von rund 13 Prozent (2025: 2,13 ct/kWh). Damit beträgt der Anteil der Netzentgelte am Gaspreis für Haushaltskunden rund 20 %, während er im Strom rund 24 % betrug. Die Abschreibungsregelung „KANU 2.0“, die in 2026 zu einem Anstieg der Netzentgelte beigetragen hat, schafft für die Netzbetreiber die Sicherheit, auch bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten oder sich ändernder Ausgestaltung der Transformation die Gasnetze ökonomisch nachhaltig zu finanzieren. Sie erlaubt es seit 2025 Netzbetreibern, die tatsächlich einen früheren Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung absehen können, ihre Gasnetze bis 2045 schneller und flexibler abzuschreiben. Das schützt insbesondere diejenigen Kunden, dieauf die Nutzung der Gasnetze angewiesen sind, vor späteren überhöhten Netzentgelten. Da die Mehrheit der Netzbetreiber 2026 von den verkürzten Abschreibungszeiträumen Gebrauch macht, führen die beschleunigten Abschreibungen vorerst zu höheren Netzentgelten für die Endverbraucher. Sobald diese Phase abgeschlossen ist, wird KANU 2.0 dämpfend auf das Entgeltniveau wirken. Nach den spürbaren hauptsächlich KANU-bedingten Zuwächsen der vergangenen zwei Jahre ist in den nächsten Jahren einestabilisierende Wirkung auf die Netzentgelte zu erwarten, bevor die entlastende Gegenbewegung einsetzt. Perspektivisch wird der KANU-Effekt somit zu sinkenden Netzkosten für die Allgemeinheit führen.
Bei einem Gaspreis von 12,16 ct/kWh belaufen sich die jährlichen Kosten für einen Musterhaushalt (20.000 kWh Jahresverbrauch) auf rund 2.432 Euro.
Wie beim Strom hängt auch der Gaspreis stark vom gewählten Vertrag ab. In der Grundversorgung kostete die Kilowattstunde zum 1. April 2026 im Schnitt 13,01 ct/kWh. Wer beim lokalen Versorger einen Vertrag außerhalb der Grundversorgung hatte, zahlte 12,15 ct/kWh, während wettbewerbliche Lieferanten mit durchschnittlich 11,86 ct/kWh das günstigste Gas lieferten. Hervorzuheben ist die unterschiedliche Preisentwicklung. Während die Grundversorgerpreise seit 2023 konstant im Durchschnitt sinken, steigen die wettbewerblichen Gaspreise zum wiederholten Mal an. Diese Entwicklung untermauert die unterschiedlichen Beschaffungsstrategien der Versorger. Während die örtlichen Grundversorger ihre Energiemengen sehr langfristig und konservativ beschaffen und Preisänderungen daher erst verzögert weitergeben, reagiert der freie Wettbewerbsmarkt deutlich sensibler auf aktuelle Entwicklungen.
Die Preisdifferenz zwischen der Grundversorgung und dem günstigsten Tarif lag zum 1. April 2026 bei 1,15 ct/kWh. Für einen Haushalt mit einem typischen Jahresverbrauch von 20.000 kWh bedeutet das ein relevantes Sparpotenzial: Hätte der Haushalt statt der Grundversorgung den günstigsten Tarif gewählt, hätte er rechnerisch rund 230 Euro pro Jahr sparen können.
Wechselbereitschaft der Gaskunden bleibt im ersten Halbjahr 2026 stabil hoch
Die Wechselbereitschaft bei den Gaskunden bleibt hoch: Im ersten Halbjahr 2026 verzeichneten die Netzbetreiber rund 1,10 Millionen Lieferantenwechsel – ein Zuwachs von zwei Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 (1,08 Millionen). Gemessen an der Gesamtzahl von 12,8 Millionen Haushalten haben damit fast neun Prozent ihren Anbieter gewechselt.
Eigene Modellrechnungen der Bundesnetzagentur zeigen für das erste Halbjahr 2026 einen durchschnittlichen Neukundenpreis von 10,13 ct/kWh. Da Bestandskunden zum Stichtag im Schnitt 12,16 ct/kWh zahlten, sparten Wechsler rund 2,03 ct/kWh. Hochgerechnet auf einen Jahresverbrauch von 20.000 kWh und die rund 1,1 Millionen gewechselten Haushalte führt das zu einer jährlichen Gesamtersparnis von rund 455 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum lag die geschätzte Einsparung mit rund 285 Millionen Euro noch deutlich niedriger. Dass der Wert in diesem Jahr so kräftig gestiegen ist, liegt vor allem am gewachsenen Preisvorteil zwischen den Tarifen für Neu- und Bestandskunden. In der damaligen Modellrechnung sparten Wechsler lediglich 1,32 ct/kWh (bei 1,08 Millionen Haushalten und 20.000 kWh Jahresverbrauch).
Der Ausblick auf das restliche Jahr bleibt mit Unsicherheiten behaftet. Nach einem Anstieg seit April notiert der modellierte Neukundenpreis im September 2026 bei 11,33 ct/kWh und übertrifft das Niveau des ersten Halbjahres um rund 12 Prozent.
Für Oktober zeichnet sich ein weiterer Anstieg der Neukundenpreise ab. Die seit April 2026 um rund 60 Prozent gestiegenen Gasgroßhandelspreise dürften sich nun spürbar – wenn auch weiterhin zeitversetzt – in den Endkundenpreisen niederschlagen. Angesichts anhaltender geopolitischer Spannungen und der hohen Volatilität am Gasmarkt könnte das steigende Preisniveau bei Neukundentarifen den Anreiz für einen Lieferantenwechsel mittelfristig dämpfen.