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Der Stromhandel im November und Dezember 2019

23.01.2020 – Deutschland exportierte in den beiden vergangenen Monaten mehr Strom als es importierte. Der Nettoexport fiel aber um 23 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Größte Importeure von hier produziertem Strom waren Österreich, Frankreich und die Schweiz. Der durchschnittliche Großhandelsstrompreis lag bei 36,41 Euro/MWh und somit deutlich unter dem Durchschnittspreis des Vorjahreszeitraums (52,33 Euro/MWh).

Stromhandel im November und Dezember

In den Monaten November und Dezember betrug der kommerzielle Nettoexport Deutschlands 8.645 GWh. Das entspricht knapp 9,8 Prozent des in diesem Zeitraum in Deutschland produzierten Stroms. Im Vergleich zum Vorjahr fiel der Nettoexport um 23 Prozent. Hauptabnehmer (von Strom aus Deutschland) war Österreich, in das, nach Abzug der Importe, mit 3.059 GWh am meisten netto exportiert wurde (minus 34,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). An zweiter Stelle lag Frankreich mit 2.078 GWh (minus 24,5 Prozent), dahinter die Schweiz in die netto 802 GWh exportiert wurden (minus 48,5 Prozent).

Nettoimporteur war Deutschland nur gegenüber Schweden mit 43 GWh. Im Vorjahr waren es mit 287 GWh deutlich mehr. Ein Grund dafür ist, dass der deutsche Preis im diesjährigen Zeitraum in 683 von 1464 gehandelten Stunden (entspricht knapp 47%) häufiger günstiger war als der schwedische. In diesen Zeiten exportiert Deutschland Strom nach Schweden. Im November und Dezember 2018 war das nur für 322 Stunden von 1464 gehandelten Stunden der Fall (rund 22 %).

Mit den Marktdaten von SMARD lassen sich diese Daten grafisch darstellen

Die Grafik stellt den kommerziellen Stromhandel von Deutschland im Überblick dar. (Brutto-)Exporte werden oberhalb, (Brutto-)Importe unterhalb der Null-Linie dargestellt.

Seit Februar 2019 wird jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat netto weniger Strom aus Deutschland exportiert (im Juni und August war Deutschland sogar Nettoimporteur). Dieser Trend setzte sich auch im November und Dezember fort.

Die Veränderungen der Im- und Exporte sind das Ergebnis von häufig auftretenden Preisschwankungen, die das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage in den jeweiligen Ländern und über die Grenzen hinweg widerspiegeln. Sie sind Teil des normalen Marktgeschehens im europaweiten Stromgroßhandel.

Der monatliche Netto-Export Deutschlands im Zeitraum vom 01.01.2018 - 31.12.2019.

Den Einfluss der Preisdifferenzen am Großhandelsmarkt auf die Im- und Exportströme mit Deutschland zeigt das Beispiel der Schweiz. Im November und Dezember sanken die Durchschnittsstrompreise gegenüber dem Vorjahreszeitraum in beiden Ländern, in Deutschland jedoch stärker. Kostete die Megawattstunde Strom in der Schweiz im Mittel etwa 43,35 Euro (2018: 61,38 Euro/MWh), musste hierfür in Deutschland deutlich weniger, nämlich durchschnittlich 36,41 Euro (2018: 52,33 Euro/MWh) bezahlt werden. Die auftretenden Preisanpassungen werden noch deutlicher, wenn die Monate November und Dezember 2019 separat betrachtet werden: Während die Preisdifferenzen im Durchschnitt zwischen Deutschland und der Schweiz im November noch verhältnismäßig gering waren (Schweiz: 45,94 Euro/MWh; Deutschland: 41,00 Euro/MWh), wurde der Unterschied im Dezember deutlich größer (Schweiz: 40,85 Euro/MWh; Deutschland: 31,97 Euro/MWh).

Insgesamt war der Preis in Deutschland für 1.142 von insgesamt 1.464 gehandelten Stunden günstiger als in der Schweiz und lag damit unter dem Wert des Vorjahreszeitraums von 1.217 Stunden. Der Nettoexport aus Deutschland in die Schweiz ging deutlich von 1.559 GWh auf 802 GWh zurück.

Wie in Deutschland so sind auch in Österreich die Großhandelspreise im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stark gesunken. Der Nettoexport ging von 4.700 GWh auf 3.095 GWh zurück. Ein möglicher Grund für den verringerten Export ist die geringere Anzahl der Stunden, in denen der Preis in Deutschland unter dem in Österreich lag. Sie ist von 1.077 Stunden auf 806 Stunden gesunken. Schon im Vorjahr war der Nettoexport zurückgegangen. Damals war dies insbesondere auf die Einführung der Engpassbewirtschaftung zwischen Deutschland und Österreich zurückzuführen.

Der Großhandelspreis in Deutschland

Die Großhandelsstrompreise sind im Vergleich zum Vorjahr gesunken: Die Stundenprodukte des EPEX-Spot-Day-Ahead-Markts wurden in den Monaten November und Dezember zwischen 87,12 und -50,43 Euro/MWh gehandelt und hatten dabei einen Durchschnittspreis von 36,41 Euro/MWh. Dies sind 15,92 Euro/MWh weniger als im Vorjahr. Ein Grund für den Rückgang der durchschnittlichen Großhandelspreise ist die Verdopplung der Zahl negativer Preise (2018: 41, 2019: 88) und die damit einhergehende Minderung des Mittelwertes.

Der geringste Börsenpreis wurde am Sonntag, den 8. Dezember, zwischen 06.00 und 07.00 Uhr mit -50,43 Euro/MWh erreicht. Zu diesem Zeitpunkt traf ein geringer Stromverbrauch auf eine hohe Einspeisung erneuerbarer Energieträger, besonders von Windenergieanlagen an Land.

Den höchsten Börsenpreis auf dem Day-Ahead-Markt der beiden vergangenen Monate gab es am Mittwoch, den 6. November, in der Zeit von 18.00 bis 19.00 Uhr mit 87,12 Euro/MWh. In dieser Stunde traf ein hoher Stromverbrauch auf eine geringe Einspeisung erneuerbarer Energien. Der Strommarkt reagiert auf diese Situation, indem Speicher entladen werden (z.B. Pumpspeicherwerke), flexible Lasten ihren Stromverbrauch drosseln und verstärkt konventionelle Kraftwerke mit höheren Grenzkosten eingesetzt werden, vor allem Gaskraftwerke.

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