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Stromerzeugung und Stromhandel im April 2020

14.05.2020 – Die Stromerzeugung in Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 16,8 Prozent gesunken, der Stromverbrauch um 8,3 Prozent. Der durchschnittliche Großhandelspreis lag mit 17,09 Euro/MWh unter dem Durchschnittspreis des Vorjahres. Deutschland importierte 596,4 GWh mehr Strom als es exportierte und war dadurch insgesamt Nettoimporteur.

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren und konventionellen Energieträgern betrug im April insgesamt 34,7 TWh (2019: 41,8 TWh). Die Erzeugung aus konventionellen Energieträgern sank im Vergleich zum vorherigen April um 33,9 Prozent während die Erzeugung aus erneuerbaren Energien um 3,6 Prozent anstieg.

Am Montag, den 20. April erreichte die gesamte Stromerzeugung zwischen 12.00 und 13.00 Uhr, bei einem hohen Stromverbrauch von 64 GWh, ihr Maximum von knapp 78,6 GWh und lag damit 1,3 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats. Zur geringsten Stromerzeugung des Monats in Höhe von 27,6 GWh kam es am Sonntag, den 26. April zwischen 06.00 und 07.00 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt gab es einen niedrigen Stromverbrauch von 37,4 GWh.

Die Grafik zeigt die Stromerzeugung und den Stromverbrauch Deutschlands im Monat April.

Stromverbrauch sinkt – im Vergleich zu März 2020 und April 2019

Die Stromerzeugung, der Stromverbrauch und der Stromhandel waren wie nahezu alle Bereiche des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft durch die ab Mitte März von der Bundesregierung und den Landesregierungen beschlossenen Einschränkungen zur Eindämmung der Ausbreitung von COVID-19 betroffen. Dies zeigte schon der Rückblick auf den März mit einem im Verlauf der Kalenderwochen entsprechend zurückgehenden Stromverbrauch.

Veränderung des Stromverbrauchs nach Kalenderwochen im April

Kalenderwoche

Veränderung im Vergleich zur Vorwoche

KW 14 (30.03. – 05.04.2020)

-1,23%

KW 15 (06.04. – 12.04.2020)

-10,00%

KW 16 (13.04. – 19.04.2020)

-0,70%

KW 17 (20.04. – 26.04.2020)

+6,33%

KW 18 (27.04. – 03.05.2020)

-4,71%

Datengrundlage: smard.de

Im April sank der Stromverbrauch in den ersten drei Wochen jeweils im Vergleich zur Vorwoche. In der darauffolgenden Kalenderwoche 17, in der die ersten Einschränkungen zur Eindämmung der Ausbreitung von COVID-19 gelockert wurden, stieg der Stromverbrauch um etwa 6,33 Prozent an. In Kalenderwoche 18, in der es durch den 1. Mai-Feiertag ein verlängertes Wochenende gab, sank er schließlich erneut.
Im Vergleich zum März ging der Stromverbrauch insgesamt um 14,7 Prozent zurück, im Vergleich zum April des Vorjahres um 8,3 Prozent.

Höchste und niedrigste Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien

Am Dienstag, den 21. April kam es zwischen 12.00 und 13.00 Uhr zur höchsten Erzeugung erneuerbarer Energien von 64,5 GWh.
Photovoltaik machte einen Anteil von 31,5 GWh (48,8 Prozent), Onshore Windanlagen 24,2 GWh (37,5 Prozent), und Offshore Windanlagen 2,7 GWh (4,2 Prozent) aus. Die restlichen 6,1 GWh (9,5 Prozent) trugen Biomasse, Wasserkraft und sonstige Erneuerbare bei. Zu diesem Zeitpunkt gab es einen hohen Stromverbrauch von 65,5 GWh.

Am Sonntag, den 26. April zwischen 20.00 und 21.00 Uhr kam es zum niedrigsten Erzeugungswert Erneuerbarer mit 8,2 GWh, bei einem niedrigen Stromverbrauch von 46,7 GWh. Biomasse machte mit 4,8 GWh den Hauptteil (58,5 Prozent) aus, Wasserkraft 1,6 GWh (19,5 Prozent), On- und Offshore Windanlagen zusammen 1,5 GWh (18,3 Prozent) und Photovoltaik und sonstige Erneuerbare die restlichen 0,3 GWh (3,7 Prozent).

Hoher Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch

Der sonnigste April seit der Wetteraufzeichnung (Deutscher Wetterdienst) in Deutschland sorgte mit vielen Sonnenstunden und wenig Regen für eine hohe Solarstromeinspeisung von 6,3 TWh, was einem Plus von 23,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht.
Dies liegt natürlich nicht nur an den förderlichen Wetterbedingungen: Im Vergleich zum April 2019 ist die installierte Erzeugungsleistung von Photovoltaik um 2,6 Prozent gestiegen, seit 2015 um etwa 24,7 Prozent.

Die Erzeugung aus Windkraftanlagen betrug insgesamt 8,7 TWh, davon waren 6,9 TWh aus Onshore- und 1,8 TWh aus Offshore-Windanlagen. Damit lag die Windstromeinspeisung 2,8 Prozent unter dem Wert für den April des Vorjahres.

Am Sonntag, den 5. April deckten die Erneuerbaren Energien zwischen 11.00 und 17.00 Uhr für 6 Stunden durchgehend den Nettostromverbrauch (die Netzlast) in Deutschland. In diesem Zeitraum wurden insgesamt 13,2 GWh mehr Strom aus Erneuerbaren generiert als verbraucht. Vom 19.-22. April konnte man auch für mehrere Tage, sogar werktags bei tendenziell höheren Verbrauchswerten im Vergleich zu Wochenenden, einen hohen Anteil beobachten. Über diese vier Tage hinweg deckten die Erneuerbaren insgesamt 80,2 Prozent des Strombedarfs in Deutschland.

Die Grafik zeigt die realisierte Erzeugung erneuerbarer Energien und den Stromverbrauch im Zeitraum vom 19.- 22. April. In diesem Zeitraum deckten die Erneuerbaren einen hohen Anteil des Stromverbrauchs.

Der Großhandelsstrompreis in Deutschland

Die Großhandelsstrompreise sind im Vergleich zum Vorjahr gesunken: Die Stundenprodukte des EPEX-Spot-Day-Ahead-Markts wurden im April zwischen -83,94 und 69,68 Euro je Megawattstunde (Euro/MWh) gehandelt und hatten dabei einen Durchschnittspreis von 17,09 Euro/MWh. Damit lagen die Strompreise um 19,86 Euro niedriger als im Vorjahr (April 2019: 36,96 Euro/MWh). Gründe sind unter anderem die höhere Einspeisung erneuerbarer Energien, sowie der Rückgang des Stromverbrauchs um 8,3 Prozent (-3,3 TWh) und die hohe Anzahl negativer Preise.

Der geringste Börsenpreis trat am Dienstag, den 21. April, zwischen 14.00 und 15.00 Uhr mit -83,94 Euro auf und war damit der niedrigste in diesem Jahr. Zu diesem Zeitpunkt konnte der gesamte Stromverbrauch von 61,270 GWh durch eine erhöhte Einspeisung Erneuerbarer von 61,311 GWh komplett gedeckt werden. Gleichzeitig fand eine geringe Einspeisung konventioneller Energieträger in Höhe von 13,1 GWh statt.

Die Zahl der Stunden negativer Strompreise betrug mehr als das Doppelte im Vergleich zum Vorjahresmonat: Sie stieg von 18 auf 40 der insgesamt 720 gehandelten Stunden.
Am Ostermontag, den 13. April kam es in 14 aufeinanderfolgenden Stunden und am Donnerstag, den 21. April in acht aufeinanderfolgenden Stunden zu negativen Preisen.
Insgesamt griff damit an zwei Tagen die 6-Stunden-Regel, wonach die Förderung größerer EEG-geförderter Neuanlagen in der Direktvermarktung in diesen Zeiträumen ausgesetzt wird. Wenn der Day-Ahead-Börsenstrompreis im Verlauf von sechs oder mehr Stunden durchgehend negativ ist, erhalten die Anlagenbetreiber rückwirkend, ab der ersten Stunde mit negativen Strompreisen, keine Marktprämie mehr. Im April 2019 griff sie ebenfalls zwei Mal.

Den höchsten Börsenpreis auf dem Day-Ahead-Markt des vergangenen Monats gab es am Donnerstag, den 23. April in der Zeit von 20.00 bis 21.00 Uhr mit 69,68 Euro/MWh. In dieser Stunde traf ein hoher Stromverbrauch von 55 GWh auf eine geringe Einspeisung erneuerbarer Energien in Höhe von 8,7 GWh. Der Strommarkt reagiert auf diese Situation, indem Speicher entladen werden (z.B. Pumpspeicherwerke), flexible Lasten ihren Stromverbrauch drosseln und verstärkt konventionelle Kraftwerke mit höheren Grenzkosten eingesetzt werden, vor allem Gaskraftwerke.

Großhandelspreise in Deutschland

 

April 2020

April 2019

Durchschnitt [Euro/MWh]

17,09

36,96

Minimum [Euro/MWh]

-83,94

-83,01

Maximum [Euro/MWh]

69,68

60,33

Anzahl Stunden negativer Preise

40

18

Datengrundlage: smard.de

Der kommerzielle Außenhandel

Der gesamte kommerzielle Nettoexport Deutschlands ging im Vergleich zum Vorjahresmonat im April um -116,7 Prozent zurück. Deutschland war mit 596,4 GWh erstmalig seit August 2019 Nettoimporteur.

Insgesamt wurden 2,4 TWh exportiert, was 6,9 Prozent des in diesem Zeitraum in Deutschland produzierten Stroms entspricht. Hauptabnehmer (von Strom aus Deutschland) war Österreich, in das, nach Abzug der Importe, mit 1.337 GWh am meisten netto exportiert wurde (+28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). An zweiter Stelle lag Tschechien mit 504 GWh (+67 Prozent) vor Polen in das netto 275 GWh (+22 Prozent) exportiert wurden.
Ein Grund für den starken Anstieg des Exportes nach Tschechien war die Zahl der Stunden, in denen der Strom aus Deutschland günstiger war. Das war in 401 der 720 gehandelten Stunden der Fall. Im April 2019 war Strom aus Deutschland nur in 393 der 720 gehandelten Stunden günstiger als aus Tschechien.

Nettoimporteur war Deutschland gegenüber Frankreich (1.030 GWh; +237 Prozent), der Schweiz (987 GWh; +1.063 Prozent), Dänemark (654 GWh; +96 Prozent), Schweden (205,4 GWh; +395 Prozent) und den Niederlanden (105 GWh; -89 Prozent).
In diesen Ländern lag der Mittelwert der Großhandelspreise jeweils mindestens 50 Prozent unter dem Vorjahreswert.
In den größtenteils günstigeren Strompreisen könnte auch der starke Anstieg des Imports aus der Schweiz um 1.063 Prozent begründet liegen. In 430 der 720 gehandelten Stunden war Strom aus der Schweiz günstiger, bei 26 negativen Preisen. Im April 2019 waren die deutschen Preise in über der Hälfte aller gehandelten Stunden günstiger, bei 4 negativen Preisen in der Schweiz.

Die Grafik stellt den kommerziellen Stromhandel von Deutschland im Überblick dar. (Brutto-) Exporte werden oberhalb, (Brutto-)Importe unterhalb der Null-Linie dargestellt.

Die Veränderungen der Im- und Exporte sind das Ergebnis von häufig auftretenden Preisschwankungen, die das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage in den jeweiligen Ländern und über die Grenzen hinweg widerspiegeln. Sie sind Teil des normalen Marktgeschehens im europaweiten Stromgroßhandel.

Marktdatengrafiken zum Durchklicken

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