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Stromerzeugung und Stromhandel im Oktober 2021

10.11.2021 - Im vergangenen Oktober war die Einspeisung durch PV-Anlagen so hoch wie in keinem Oktober zuvor. Insgesamt war die Stromerzeugung um 1,1 Prozent geringer als im Vorjahresmonat und der Stromverbrauch um 1,6 Prozent. Im kommerziellen Außenhandel war Deutschland Nettoexporteur und der durchschnittliche Großhandelsstrompreis betrug 139,49 Euro/MWh.

Stromverbrauch und Stromerzeugung

Mit 42,3 TWh war der Stromverbrauch (die Netzlast) in diesem Oktober um 1,6 Prozent geringer als im Vorjahresmonat mit 43,0 TWh.

Die Stromerzeugung aus konventionellen Energieträgern war im Vergleich um 0,2 Prozent geringer und jene aus erneuerbaren Energien um 2,1 Prozent. Insgesamt ergab sich daraus eine um 1,1 Prozent geringere Gesamterzeugung.

Bei der Betrachtung der einzelnen konventionellen Energieträger war, wie bereits im September, insbesondere die Erzeugung aus Steinkohle höher: Im Vergleich zum Oktober 2020 um 43,4 Prozent. Die Stromerzeugung aus sonstigen Konventionellen war um 4,6 Prozent höher und die aus Kernenergie um 3,2 Prozent. Jene durch Erdgas war hingegen um 29,8 Prozent geringer, die durch Pumpspeicher um 13,6 Prozent und die aus Braunkohle um 3,2 Prozent geringer.

Durch die im Vergleich zum Vorjahr höheren Gaspreise ist die Rentabilität der Gaskraftwerke gesunken und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Steinkohle-Kraftwerke, trotz höherer Kosten für CO2-Zertifikate, gestiegen. Der Kostenvorteil von Gaskraftwerken bei den CO2-Zertifikaten wurde von den höheren Gaskosten überlagert.

Der geringere Wert bei den Pumpspeichern liegt weiterhin auch in der Revision des viertgrößten deutschen Pumpspeicherkraftwerks (Schluchseewerk) „Wehr“ begründet. Das Ende der Wartungsarbeiten ist für Mitte November angekündigt. Verschiedene Blöcke des Luxemburger Pumpspeicherkraftwerks „Vianden“, das in die Regelzone Amprion einspeist, werden ebenfalls nach und nach erneuert. Diese Arbeiten dauern voraussichtlich noch bis Mitte nächsten Jahres.

Goldener Oktober – viel Sonne und besonders viel PV-Strom

Bei der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien hat sich die durch Photovoltaikanlagen signifikant verändert. Im Vergleich zum Oktober 2020 war sie um 48,9 Prozent höher und mit insgesamt 3.220,4 GWh so hoch wie in keinem Oktober zuvor. Neben den in diesem Monat förderlichen Wetterbedingungen mit vielen Sonnenstunden spielt dabei auch der fortschreitende Ausbau eine Rolle.

Insgesamt lag die Erzeugung durch erneuerbare Energien jedoch 2,1 Prozent unter dem Wert des Oktobers 2020. Sie machte einen Anteil von 48,5 Prozent am Stromverbrauch (der Netzlast) aus.
Dabei war insbesondere die Erzeugung durch Wasserkraft um 36,3 Prozent geringer. Grund dafür sind Wartungs- und Modernisierungsarbeiten an mehreren Kraftwerken in den deutschen Regelzonen. So wird beispielsweise seit Ende September das Wasserkraftwerk Töging mit einer Nennleistung von 85,3 MW umfassend modernisiert. Voraussichtlich Ende Januar 2022 soll der Umbau beendet sein.

Die Stromerzeugung durch sonstige Erneuerbare lag in diesem Monat 12,7 Prozent unter dem Vorjahreswert, die durch Wind-Onshore-Anlagen 6,1 Prozent, die durch Wind-Offshore-Anlagen 5,5 Prozent und die aus Biomasse 4,5 Prozent darunter.
Im Vergleichszeitraum, dem Oktober 2020, war die Erzeugung durch Windkraftanlagen besonders hoch. Sie machte damals einen Anteil von 31 Prozent an der Gesamterzeugung aus, in diesem Monat waren es 29,4 Prozent.

Die nachfolgenden Grafiken zeigen die Stunden der höchsten und geringsten Einspeisung Erneuerbarer in diesem Monat. Zur höchsten Einspeisung kam es während der beiden Sturmtiefs „Hendrik“ und „Ignatz“.

Die Großhandelsstrompreise

Der durchschnittliche deutsche Großhandelsstrompreis betrug im Oktober 139,49 Euro/MWh. Damit lag er vier Mal so hoch wie im Oktober 2020 mit 33,97 Euro/MWh. Die Entwicklung zu höheren Großhandelspreisen der vergangenen Monate setzt sich fort.

Am Sonntag, den 3. Oktober, wurde zwischen 04.00 und 05.00 Uhr mit -2,02 Euro/MWh der geringste Preis verzeichnet. In diesem Zeitraum konnten 95,9 Prozent der Netzlast durch die Erzeugung aus erneuerbaren Energien gedeckt werden.  Ob in dieser Stunde eine durchlaufende konventionelle Erzeugung eine vollständige Deckung der Netzlast durch erneuerbare Energien verhinderte, kann mit den Daten von SMARD nicht zuverlässig beantwortet werden. Die Bundesnetzagentur untersucht solche Situationen in ihren Berichten zur sogenannten Mindesterzeugung.

Mit 442,90 Euro/MWh wurde der höchste Preis des Monats am Donnerstag, den 7. Oktober, zwischen 19.00 und 20.00 Uhr verzeichnet. Dies war gleichzeitig ein neuer Höchstpreis seit Einführung des Marktgebietes Deutschland/Luxemburg.
In dieser Stunde traf eine sehr geringe Einspeisung erneuerbarer Energien (7,8 GWh) auf einen hohen Stromverbrauch (65,6 GWh).

Day-Ahead Großhandelspreise in Deutschland

Oktober 2021

Oktober 2020

Durchschnitt [Euro/MWh]

139,49

33,97

Minimum [Euro/MWh]

-2,02

-54,97

Maximum [Euro/MWh]

442,90

78,68

Anzahl Stunden negativer Preise

7

18

Zahl der Stunden mit
Preisen >100 Euro/MWh

506

0

Insgesamt liegt der Grund für die höheren Preise, wie bereits in den vergangenen Monaten, in den hohen Erzeugungskosten der konventionellen Kraftwerke. Sie umfassen insbesondere die Kosten für Brennstoffe und CO2-Zertifikate, die beide weiterhin hoch sind und einen großen Einfluss auf den Großhandelsstrompreis haben. Hinzu kommt ein geringerer Erzeugungsbeitrag der Erneuerbaren.
Im Vorjahresmonat hatte die hohe Einspeisung erneuerbarer Energien noch häufiger zu  negativen Preisen beigetragen, was zu einer Minderung des Mittelwertes geführt hatte.

Der kommerzielle Außenhandel

Angebot und Nachfrage bilden ein gesamteuropäisches Zusammenspiel. Strom wird im europäischen Verbund dort erzeugt, wo er am günstigsten ist. Beim Import profitiert der deutsche Markt somit von günstigeren Erzeugungsbedingungen im Ausland und umgekehrt. Die Großhandelspreise am Day-Ahead Markt in den jeweiligen Ländern sind das Ergebnis dieses Zusammenspiels. Ein geringerer Preis in Deutschland als beispielsweise in den Niederlanden zeigt, dass die Erzeugung hier günstiger ist und deshalb Strom in die Niederlande exportiert wird. Durch den gemeinsamen Markt gleichen sich die Preise an. Preisunterschiede bleiben immer dann bestehen, wenn es Engpässe in den Stromübertragungsmöglichkeiten gibt.

Der Preis der Anrainerstaaten lag in diesem Monat bei durchschnittlich 138,35 Euro/MWh und damit weiterhin auf einem ähnlich hohen Niveau wie der deutsche Preis (139,49 Euro/MWh). Zum geringsten Durchschnittspreis kam es im Marktgebiet Schweden 4 mit 86,20 Euro/MWh und zum höchsten in der Schweiz mit 198,27 Euro/MWh.

Im kommerziellen Außenhandel war Deutschland Nettoexporteur. Es wurden 2.393 GWh mehr Strom exportiert als importiert.

Abnehmerländer des Stroms aus Deutschland waren:
•    Österreich mit 2.539,3 GWh (Oktober 2020: 1.606,3 GWh)
•    Frankreich mit 933,7 GWh (Oktober 2020: 843,7 GWh)
•    Schweiz mit 607,1 GWh (Oktober 2020: 365,1 GWh)
•    Niederlande mit 406,8 GWh (Oktober 2020: 413,4 GWh)
•    Luxemburg mit 340,8 GWh (Oktober 2020: 336,7 GWh)
•    Belgien mit 106,4 GWh (Handel war im Vorjahresmonat noch nicht möglich)

Nettoimporteur war Deutschland gegenüber:
•    Dänemark mit 1.285,5 GWh (Oktober 2020: 721,2 GWh)
•    Polen mit 468,2 GWh (Oktober 2020: Nettoexport in Höhe von 283,7 GWh)
•    Schweden mit 309,6 GWh (Oktober 2020: 282,6 GWh)
•    Tschechien mit 283,0 GWh (Oktober 2020: Nettoexport in Höhe von 407,7 GWh)
•    Norwegen mit 195,7 GWh (Handel war im Vorjahresmonat noch nicht möglich)

Der Nettoimport Deutschlands im Handel mit Dänemark lässt sich mit der Marktsituation begründen. Mit durchschnittlich 116,90 Euro/MWh im Marktgebiet Dänemark 1 und 106,68 Euro/MWh in Dänemark 2 war es lohnend, Strom aus Dänemark nach Deutschland zu importieren. Zudem war im Vorjahresmonat aufgrund von Wartungsarbeiten an der Verbindungsleitung KONTEK kein Handel mit Dänemark 2 möglich.

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