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Stand der Batteriespeicheranfragen 2025/2026
Entwicklung bei ÜNB und VNB
20.08.2026 - Batteriespeicher spielen eine wichtige Rolle für die Energiewende, da sie die schwankende Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne ausgleichen können. Häufig sind sie marktlich integriert und reagieren direkt auf Preissignale der Strommärkte. Sie speichern Strom, wenn reichlich produziert wird und daher preiswert ist und geben ihn wieder ab, wenn der Strom durch hohe Nachfrage oder geringe Produktion teuer ist. Dadurch können Batteriespeicher die Strommärkte stabilisieren, die Energieversorgung sichern und eine effizientere Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien ermöglichen.
In anderen Konstellationen optimieren Speicher den Bezug von Verbrauchern oder die Einspeisung Erneuerbarer Energien und tragen damit zur Kostensenkung auf Verbraucherseite bzw. zur Verbesserung der EE-Integration bei.
Die aktuellen Erhebungen zeigen eine fortschreitende Entwicklung des Marktes für kommerzielle Großbatteriespeicher ab der Mittelspannungsebene (unter Ausschluss privater Hausspeicher).
Aktueller Stand der Netzanschlussbegehren und -zusagen für Batteriespeicher
Der Markt für Batteriespeicher befindet sich in einer dynamischen Entwicklungsphase, geprägt von intensiver Planung, Bau und Erweiterung. Auf Basis der Monitoring-Abfrage der Bundesnetzagentur bieten die Daten der Übertragungs- und Verteilernetzbetreiber nun im zweiten Jahr in Folge Einblicke in die Anschlussbegehren für Batteriespeicher. Dieser Datenbestand ermöglicht erstmals einen direkten Vorjahresvergleich und macht die aktuelle Entwicklung transparent.
Der vorliegende Datenbestand unterscheidet bislang nicht zwischen netzgekoppelten und anlagengekoppelten Batteriespeichern. Diese Differenzierung wird die Bundesnetzagentur künftig ermöglichen.
Der direkte Vergleich mit den Daten aus dem Jahr 2024 verdeutlicht für das Jahr 2025 einen massiven Zuwachs bei Anzahl, Volumen und Speicherkapazität der Netzanschlussbegehren für Batteriespeicher. Projektentwickler sichern sich zunehmend potenzielle Standorte.
- Netzanschlussbegehren: Im Jahr 2025 wurden im Gesamtnetz insgesamt 18.158 Anfragen (+194%) registriert. Die beantragte Gesamtleistung lag bei ca. 573,5 GW (+ 43 Prozent). Die beantragte Speicherkapazität betrug rund 1.583 GWh (+ 139 Prozent).
Zu beachten ist, dass zahlreiche Projekte mehrfach eingereicht wurden. Projektentwickler stellen häufig für dasselbe Vorhaben mehrere Netzanschlussbegehren an unterschiedlichen potenziellen Standorten, um ihre Realisierungschancen zu erhöhen. Erhält ein Projekt mehrere Zusagen, wird in der Regel jedoch nur ein Standort umgesetzt.
- Erteilte Zusagen: Ein realistischeres Bild für die tatsächliche Umsetzung liefern die Netzanschlusszusagen, da sie verbindliche Angebote für den Abschluss eines Anschlussvertrages darstellen. Die Zahl der Netzanschlusszusagen insgesamt (inklusive der Zusagen aus Vorjahresanfragen) lag im Jahr 2025 bei 1.937 im Gesamtnetz (+ 55 Prozent).
- Leistung und Speicherkapazität der Netzanschlusszusagen: Die zugesagte Leistung im Gesamtnetz betrug 54,2 GW (+ 119 Prozent). Die zugesagte Speicherkapazität lag bei 142,4 GWh (+ 207 Prozent).
Zum Vergleich: In Deutschland sind derzeit 28 Pumpspeicherkraftwerke mit einer installierten Leistung von rund 6,2 GW und einer Speicherkapazität von etwa 147 GWh in Betrieb. Würden die zugesagten Batteriespeicher vollständig realisiert und am Markt verfügbar sein, würde sich die kurzfristig flexible Speicherleistung im Stromsystem mit 54,2 GW gegenüber dem heutigen Pumpspeicherbestand vervielfachen. Die zusätzliche Speicherkapazität von 142,4 GWh entspräche dabei fast der bestehenden deutschen Pumpspeicherkapazität.
Zum Verständnis: Die Leistung beschreibt, wie viel Strom ein Batteriespeicher zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeben oder aufnehmen kann – ähnlich wie die Öffnung eines Wasserhahns, die bestimmt, wie schnell Wasser fließt. Die Speicherkapazität hingegen gibt an, wie viel Energie insgesamt gespeichert werden kann – vergleichbar mit der Größe des Wassertanks. Eine hohe Leistung ermöglicht also eine schnelle Energieabgabe, während eine große Speicherkapazität bestimmt, wie lange der Speicher Strom liefern kann.
Status quo 2025: Verteilernetz vs. Übertragungsnetz
Die Batteriespeicherintegration verteilt sich unterschiedlich auf die Verteilernetzbetreiber (VNB) und die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB). Während die VNB die Masse an Projekten bewältigt, verzeichnen die ÜNB auf Höchstspannungsebene große Einzelvorhaben. Während bei den ÜNB eine durchschnittliche Leistung eines genehmigten Netzanschlussbegehrens von einem Batteriespeicher rund 384 MW beträgt, liegt diese in den Verteilernetzen bei rund 14 MW (durchschnittliche Kapazität: 841 MWh bei ÜNB; 44 MWh bei VNB).
Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass netzgekoppelte (Stand-alone-)Speicher häufiger an das Übertragungsnetz angeschlossen werden, während anlagengekoppelte Speicher naturgemäß überwiegend an das Verteilnetz angebunden sind.
Verteilernetz
Die meisten Batteriespeicherprojekte werden auf regionaler Ebene angefragt.
- Netzanschlussbegehren im Jahr 2025: 17.775 Anträge mit einer Leistung von rund 406,8 GW und rund 1.185,9 GWh Speicherkapazität.
- Netzanschlusszusagen für im Jahr 2025 angefragte Begehren: Für 1.429 dieser Anträge wurde eine Zusage erteilt (16,8 GW / 59,2 GWh). Damit lag der Anteil der genehmigten Netzanschlussbegehren bei rund acht Prozent.
- Netzanschlusszusagen insgesamt im Jahr 2025: Inklusive älterer Netzanschlussbegehren erteilten die VNB im Jahr 2025 insgesamt 1.866 Zusagen mit einer Leistung von ca. 26,9 GW und ca. 82,7 GWh Speicherkapazität. Durchschnittlich lag die Speicherkapazität damit bei rund 44 MWh.
Übertragungsnetz
Direkt am Übertragungsnetz wurden im Jahr 2025 folgende Batteriespeicherprojekte angefragt und genehmigt:
- Netzanschlussbegehren im Jahr 2025: 383 Anträge mit einer geplanten Leistung von ca. 166,7 GW und einer Speicherkapazität von ca. 396,8 GWh.
- Netzanschlusszusagen für im Jahr 2025 gestellte Begehren: Für 39 dieser Anträge wurde eine Zusage erteilt (17,2 GW / 39,6 GWh). Damit lag der Anteil der erteilten Netzanschlussbegehren bei rund 10 Prozent.
- Netzanschlusszusagen insgesamt im Jahr 2025: Inklusive älterer Netzanschlussbegehren erteilten die ÜNB im Jahr 2025 insgesamt 71 Zusagen mit einer Leistung von ca. 27,3 GW und ca. 59,7 GWh Speicherkapazität. Damit liegt die durchschnittliche Speicherkapazität der Anfragen bei rund 841 GWh.
Verteilung der Netzanschlussbegehren und Zusagen im Jahr 2025 (ÜNB und VNB)
Die im Jahr 2025 angefragten und zugesagten Batteriespeicherprojekte verteilen sich wie folgt auf die deutschen Übertragungs- und Verteilernetze. Die folgende Datenbasis betrachtet dabei ausschließlich die im Jahr 2025 neu bei den Netzbetreibern eingegangenen Anfragen. Anträge und Daten aus den vorangegangenen Jahren sind in dieser Auswertung nicht berücksichtigt.
| Anfragen und Zusagen aus/ im Jahr 2025 (ohne Vorjahr) | |||||
| Netzebene | Anfragen | Beantragte Leistung (GW) | Zusagen | Zugesagte Leistung (GW) | Zugesagte Kapazität (GWh) |
| Verteilernetz (VNB) | 17.775 | 406,8 | 1.429 | 16,8 | 59,2 |
| Übertragungsnetz (ÜNB) | 383 | 166,7 | 39 | 17,2 | 39,6 |
| Gesamtnetz | 18.158 | 573,5 | 1.468 | 33,9 | 98,8 |
Im Bereich der Verteilernetze konnten im Jahr 2025 lediglich acht Prozent der eingegangenen Netzanschlussbegehren zugesagt werden, was nur rund vier Prozent der insgesamt beantragten Leistung entspricht. Im Übertragungsnetz liegen die Netzanschlusszusagen bei rund zehn Prozent der Anträge sowie bei etwa zehn Prozent der beantragten Leistung.
Zum Vergleich: Laut Marktstammdatenregister sind derzeit 1.292 Batteriespeicher mit einem Anschluss ab der Mittelspannungsebene in Betrieb. Diese Anlagen verfügen über eine Nettonennleistung von rund 3,6 GW und eine Speicherkapazität von etwa 6 GWh. Würden allein die im Jahr 2025 beantragten und zugesagten Projekte realisiert, entspräche das einer Vervielfachung gegenüber dem aktuellen Bestand.
Ausblick ins Jahr 2026: Fortlaufende Dynamik im Höchstspannungsnetz
Ein Blick auf die Zahlen der ÜNB bis zum Stichtag 01.04.2026 zeigt, dass das Interesse an Großbatteriespeichern anhält.
- Neue Netzanschlussbegehren (Stand 01.04.): In den ersten Monaten des Jahres gingen bei den ÜNB 23 Netzanschlussbegehren ein. Diese umfassen eine geplante Anschlussleistung von ca. 6,0 GW und eine Speicherkapazität von ca. 16,4 GWh.
- Abarbeitung der Netzanschlussbegehren aus dem Jahr 2025 (Stand 01.04.): Aus den Anträgen des Vorjahres (2025) wurden bis zum Stichtag weitere 10 Zusagen erteilt. Diese machen eine Leistung von ca. 3,9 GW und ca. 9,3 GWh Speicherkapazität aus.
- Netzanschlusszusagen insgesamt im Jahr 2026 (Stand 01.04.): Inklusive aller weiteren Bearbeitungen haben die ÜNB im laufenden Jahr 2026 bereits 64 Zusagen mit einer Gesamtleistung von ca. 24,7 GW und einer Speicherkapazität von ca. 55,4 GWh erteilt.
Das Volumen der erteilten Zusagen durch die ÜNB zu Netzanschlussbegehren nach den ersten Monaten des Jahres 2026 liegt damit bereits zum Stichtag (01.04.2026) nahe am Gesamtwert des kompletten Vorjahres 2025.
Fazit und energiewirtschaftliche Einordnung
Die Daten zeigen eine funktionale Aufteilung im Netz: Während das Verteilernetz die dezentrale Transformation in der Fläche trägt, formiert sich im Übertragungsnetz eine Reihe an sehr großen Batteriespeichern.
Batteriespeicher können eine ausgleichende Rolle am Strommarktes spielen, indem sie bspw. das hohe Aufkommen an Solarstrom an sonnenreichen Tagen flexibel ausgleichen. Wenn die Produktion die Nachfrage übersteigt, vermögen diese Speicher, die Spitzen abzufangen. Denn sie reagieren auf Marktsignale und setzen wirtschaftliche Anreize für das Laden und Entladen entsprechend der aktuellen Marktsituation. Dadurch würde in Situationen, in denen weit mehr als der Verbrauch produziert wird verhindert, dass dies zu stark negativen Preisen führt oder zu einer Belastung des Netzes wird. Negative Preise haben sich im 2025 in 573 Stunden (6,5 Prozent) gezeigt. Durch diese ausgleichende Wirkung könnten Batteriespeicher dazu beitragen, dass der erneuerbar erzeugte Strom zu jeder Zeit sinnvoll verwertet wird. Sie entlasten damit auch das EE-Konto im Bundeshaushalt.
Hinweis: Die Angaben für 2024 wurden nachträglich aktualisiert und weichen daher von den im Vorjahresartikel veröffentlichten Zahlen ab.