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Stromerzeugung und Stromhandel im September 2020

12.10.2020 – Die Stromerzeugung in Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,5 Prozent gesunken, der Stromverbrauch um 1,2 Prozent. Der durchschnittliche Großhandelspreis lag mit 43,69 Euro/MWh über dem Durchschnittspreis des Vorjahres und war der höchste in diesem Jahr. Insgesamt war Deutschland in diesem September Nettoexporteur.

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren und konventionellen Energieträgern betrug im September insgesamt 39,2 TWh (2019: 39,8 TWh). Während die Erzeugung aus konventionellen Energieträgern im Vergleich zum vorherigen September um 5,7 Prozent anstieg, lag diejenige aus erneuerbaren Energien um 10,7 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Der Stromverbrauch betrug im September insgesamt 37,9 TWh (2019: 38,3 TWh)

Die Grafik zeigt die Stromerzeugung und den Stromverbrauch Deutschlands im Monat September.

Höchste und niedrigste Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien

Am Donnerstag, den 12. September kam es zwischen 13.00 und 14.00 Uhr zur höchsten Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Höhe von 51,8 GWh. Dies entspricht einem Anteil von rund 75 Prozent an der Gesamterzeugung.
In diesem Zeitraum gab es eine hohe Photovoltaikeinspeisung in Höhe von 25,4 GWh (36,6 Prozent). Weitere 16,2 GWh (23,3 Prozent) trugen Onshore-Windanlagen bei und 3,9 GWh (5,6 Prozent) Offshore-Windanlagen. Die restlichen 6,3 GWh (9 Prozent) wurden durch Biomasse, Wasserkraft und sonstige Erneuerbare eingespeist. In diesem Zeitraum gab es einen Stromverbrauch in Höhe von rund 53 GWh. Somit deckten die Erneuerbaren 97,7 Prozent des Stromverbrauchs beziehungsweise der Netzlast in dieser Stunde.

Am Dienstag, den 22. September kam es zwischen 05.00 und 06.00 Uhr zum niedrigsten Erzeugungswert Erneuerbarer mit 6,9 GWh bei einem niedrigen Stromverbrauch von 46,9 GWh. Biomasse machte mit 4,3 GWh den Hauptteil bei den Erneuerbaren aus (62 Prozent). Wasserkraft erzeugte rund 1,6 GWh (23 Prozent), On- und Offshore Windanlagen zusammen 0,9 GWh (13 Prozent) und sonstige Erneuerbare die restlichen 0,1 GWh (2 Prozent).

Insgesamt lag die Stromerzeugung aus Erneuerbaren im September um 10,7 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat. Dabei war aufgrund eines geringeren Windaufkommens insbesondere die Erzeugung aus Onshore-Windkraftanlagen geringer: Im Vergleich zum Vorjahr um 34,9 Prozent. Aber auch diejenige aus Offshore-Anlagen, lag um 14,1 Prozent niedriger. Durch das sonnige Septemberwetter lag die Einspeisung aus Photovoltaikanlagen hingegen 18,3 Prozent höher. Die erwarteten 150 Sonnenstunden wurden mit 206 Stunden um gut ein Drittel übertroffen. Neben förderlichen Wetterbedingungen spielt bei der Erzeugung aus erneuerbaren Energien aber auch der fortschreitende Ausbau eine Rolle.

Der Großhandelsstrompreis in Deutschland

Die Großhandelsstrompreise sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegen: Die Stundenprodukte des EPEX-Spot-Day-Ahead-Markts wurden im September zwischen -58,80 und 200,04 Euro je Megawattstunde (Euro/MWh) gehandelt und hatten dabei einen Durchschnittspreis von 43,69 Euro/MWh. Damit lag er durchschnittlich 7,94 Euro höher als im Vorjahr (September 2019: 35,75 Euro/MWh) und war der höchste in diesem Jahr. Neben der geringen Windeinspeisung trugen hierzu auch vereinzelte Preisspitzen in Höhe von bis zu 200,04 Euro/MWh bei, welche den Monatsdurchschnitt erhöhen.

Die Grafik zeigt den realisierten Stromverbrauch und den Großhandelsstrompreis im September 2020.

Der geringste Börsenpreis trat am Sonntag, den 13. September zwischen 13.00 und 14.00 Uhr mit -58,80 Euro/MWh auf. In diesem Zeitraum konnte der gesamte Stromverbrauch von 48,3 GWh durch eine erhöhte Einspeisung Erneuerbarer von 47,8 GWh beinahe komplett gedeckt werden.

Negative Strompreise traten in diesem Monat in insgesamt 6 der 727 gehandelten Stunden auf. Im September 2019 war dies in 15 Stunden der Fall.

Den höchsten Börsenpreis auf dem Day-Ahead-Markt des vergangenen Monats gab es am Montag, den 21. September in der Zeit von 19.00 bis 20.00 Uhr mit 200,04 Euro/MWh.  Er war zugleich der höchste Großhandelspreis seit Einführung der Gebotszone Deutschland/ Luxemburg im Oktober 2018. In der zuvor gemeinsamen Gebotszone Deutschland/Österreich/ Luxemburg gab es zuletzt am 8. Februar 2012 mit 210 Euro einen noch höheren Großhandelspreis.
Am 21. September traf in dieser Stunde ein hoher Stromverbrauch von 60,2 GWh auf eine geringe Einspeisung erneuerbarer Energien in Höhe von 7,4 GWh. Der niedrige Wert liegt insbesondere in dem windstillen Wetter und der damit einhergehenden geringen Erzeugung durch Windkraftanlagen (insgesamt 1,2 GWh) begründet. 4,3 GWh wurden aus Biomasse, 1,6 GWh aus Wasserkraft und 0,3 GWh aus Photovoltaik und sonstigen Erneuerbaren erzeugt. Der Strommarkt reagiert auf diese Situation, indem Speicher entladen werden (z.B. Pumpspeicherwerke), flexible Lasten ihren Stromverbrauch drosseln und verstärkt konventionelle Kraftwerke eingesetzt werden. Außerdem war europaweit eine größere Anzahl an konventionellen Kraftwerken in der jährlichen Revision. Auch dies trug zu der vorübergehenden und kurzzeitigen Preiserhöhung bei.

Großhandelspreise in Deutschland

September 2020

September 2019

Durchschnitt [Euro/MWh]

43,69

35,75

Minimum [Euro/MWh]

-58,80

-37,29

Maximum [Euro/MWh]

200,04

71,47

Anzahl Stunden negativer Preise

6

15

Datengrundlage: smard.de

Der kommerzielle Außenhandel

Deutschland exportierte im September insgesamt 1.005,2 GWh mehr Strom als es importierte und war dadurch Nettoexporteur. Im Vorjahresmonat war Deutschland mit 1.390,1 GWh ebenfalls Nettoexporteur. Im Vergleich ging der Nettoexport um 27,7 Prozent zurück.

Die Grafik zeigt den gesamten Nettoexport bzw. Nettoimport Deutschlands in/aus seinen Nachbarländern.

Die Veränderungen der Im- und Exporte sind das Ergebnis von häufig auftretenden Preisschwankungen und Teil des normalen Marktgeschehens. Sie spiegeln das gesamteuropäische Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage wider. Zu welchem Zeitpunkt Strom im- oder exportiert wird, hängt nicht nur von Angebot und Nachfrage, sondern auch von den Strompreisen der anderen Länder ab. Die im Rahmen der Marktkopplung ermittelten Großhandelspreise resultieren aus den, zum jeweiligen Zeitpunkt unterschiedlichen, sogenannten relativen Erzeugungskosten. Sie beziffern unter anderem die Kosten für Brennstoffe oder auch CO2-Zertifikate, die wiederum von weiteren Faktoren abhängig sind. Auch die zur Verfügung stehende Übertragungskapazität an den Ländergrenzen spielt eine Rolle. Gerade wenn es bei geringen Preisdifferenzen auf dem Strommarkt zu größeren Veränderungen wie dem Wechsel von einem Nettoimport zu einem Nettoexport kommt, spielen die Details eine Rolle.

Nettoimporteur war Deutschland in diesem Monat nur gegenüber Dänemark mit 545 GWh (2019: 73 GWh), den Niederlanden mit 227 GWh (2019: 466 GWh) und Schweden mit 116 GWh (2019: 53 GWh). Ein Grund für den Anstieg des Importes aus Dänemark könnte die Zahl der Stunden gewesen sein, in denen der Strom in der dänischen Zone Dänemark 1 günstiger war als in Deutschland. Das war in 300 Stunden (2019: 137 Stunden) der Fall.

Hingegen konnte aus Dänemark 2 aufgrund von Wartungsarbeiten an der Verbindungsleitung Kontek weder Strom importiert noch exportiert werden. Im Vorjahr wurden nach Dänemark 2 netto etwa 117 GWh exportiert.

Hauptabnehmer (von Strom aus Deutschland) war im September Frankreich, in das, nach Abzug der Importe, mit rund 707 GWh am meisten netto exportiert wurde. Im Jahr zuvor importierte Deutschland noch 691 GWh mehr Strom aus Frankreich als es exportierte.

Ein Grund für den Vorzeichenwechsel im Stromhandel mit Frankreich könnte die höhere Zahl der Stunden gewesen sein, in denen Strom aus Deutschland günstiger war. War dies im Vorjahresmonat nur in 164 der 727 gehandelten Stunden der Fall, so waren es in diesem Jahr 310 Stunden. Die geringe Verfügbarkeit von Kernenergie in Frankreich führte im Vergleich zum vorherigen September zu einem deutlich höheren französischen Durchschnittspreis von 47,20 Euro (2019: 35,54 Euro).

Wie bereits im August, ging der Nettoexport nach Österreich deutlich zurück. Von 2.013 GWh im Vorjahresmonat auf 570 GWh in diesem September. Der erneute Rückgang könnte zum einen im insgesamt geringeren Export Deutschlands in andere Länder begründet liegen. Zum anderen lag die Stromerzeugung Österreichs um 9,7 Prozent höher als im Vorjahresmonat und der Stromverbrauch zugleich um 4,5 Prozent niedriger. Der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch (der Netzlast) stieg dort von 61,9 Prozent im Vorjahresmonat auf 80,4 Prozent. Wasserkraft machte mit 65,6 Prozent den Hauptanteil aus. Im Vorjahresmonat waren es 46,7 Prozent.

Die Grafik stellt den kommerziellen Stromhandel von Deutschland im Überblick dar. (Brutto-) Exporte werden oberhalb, (Brutto-)Importe unterhalb der Null-Linie dargestellt.

Marktdatengrafiken zum Durchklicken

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